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BeitragVerfasst: 03 Okt 2003 16:29 
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Am 30. Juni diesen Jahres waren endlich die Pakete da. Über ein Jahr lang hatte ich zuvor gerungen, welches Teleskop es nach dem "Revue" 60/700-er von Foto Quelle, gekauft ca. 1995, denn sein sollte. In der Informations-Phase kam es zu einigen unverhofften Geldsegen, und ich war bereit, die Kohle für ein Fernrohr auszugeben, so dass es Modell-mäßig Spielraum gab. Im Vordergrund standen einfache Benutzbarkeit, mechanische Robustheit, Planetentauglichkeit, geringes Gewicht, und Option auf Fotografie. Letztlich entschied ich mich für einen Vixen ED-Apochromat, der vor allem fürs visuelle ausgelegt ist.

Um eine eigene Internet-Seite einzurichten, fehlte bislang die Zeit. Deshalb im Forum:


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Letztes Wochenende wurde nun endlich genutzt, um ein Großteil der "Hardware" mal auf Film, äh, den CCD-Chip zu bannen. Leider sind von den über 200 Fotos sehr viele überbelichtet, einige auch verwackelt, und einige auch völlig uninteressant. Ich habe versucht, die besten Bilder auszuwählen (und ein wenig thematisch zu sortieren...)


Hier also die Foto-Schau:


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Eines der zuletzt geschossenen Fotos gleich zu Beginn: Das Fernrohr in handliche Einzelteile zerlegt. Das kann man mit zwei Leuten in einem Gang tragen, da ich allein war, brauchte es zwei Gänge. Ein bisschen anstrengend, aber noch keine Qual. Das Fernrohr auch kurzentschlossen einsetzen zu können war ein wichtiges Kriterium bei der Wahl.




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Der himmelblaue Astrorucksack (so nenne ich offiziell meinen Rucksack, den ich speziell fürs Fernrohr gekauft habe) im Vordergrund. Recht der Regie-Stuhl "Oxford" (ich habe zwei Stück, aber einer blieb oben.) Rechts am Rand ein Teil von "Stonehenge". Zentral das Fernrohr.

Es ist ein modifiziertes "GP ED 102S".




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Normalerweise wird der Auszug mit 60-mm-Gewinde auf 31,8 mm reduziert. Hier habe ich aber den 50,8-mm-Ring reingedreht. Hinten habe ich also auf Wunsch einen größeren Ausgang, als frühere Schulteleskope als Objektiv-Öffnung hatten... Obwohl eigentlich als Planetengerät gekauft, lässt sich der Refraktor auch als Weitwinkel-Gerät einsetzen.




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Oder als Tele für eine Spiegelreflex. Hier ist der Ring mit T2-Gewinde adaptiert. Das Fernrohr leuchtet Kleinbild aus, das sollte in dieser Preisregion auch sein. Das Objektiv ist zwar visuell optimiert (auf grün) aber wie bei Vixen üblich, wurde auf Foto-Tauglichkeit viel Wert gelegt. Leider habe ich keine Spiegelreflex, im Moment noch nicht mal eine elektrische Nachführung, die für Langzeitbelichtung ja praktisch unerlässlich wäre. Ehe ich ernsthaft an Fotografie zu denken wage, soll erst mal genügend Beobachtungserfahrung gesammelt werden.




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Das Objektiv bietet 102 mm Öffnung. Die Brennweite beträgt 920 mm, also hat das System ein Öffnungverhältnis von f/9. Es gibt für fotografische Zwecke einen Telekompressor, der f/6,3 realisiert.




Als Montierung habe ich eine Vixen Great Polaris (kurz GP.)




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Hier kommt der Tubus rauf: Einsetzen, Schraube anziehen, Konterschraube anziehen. Das ist eine Sache von Sekunden, aber der Tubus sitzt bombenfest.




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Die Montierung :) Die biegsame Welle ist übrigens Sonderzubehör. Ich werde noch eine zweite kaufen.




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Hier die aufsteckbare Polsucher-Beleuchtung. Dreht man am Griff-Ende, glimmt der Stab an der Spitze rötlich. Damit wird eine Schablone beleuchtet, mit dessen Hilfe anhand des Polarsterns die Montierung ziemlich genau "eingenordet" werden kann.




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Ob der Blick durch den Polsucher frei ist, hängt von der Drehung der Achse ab. Dieser in der Montierung eingebaute Polsucher hat die optischen Leistungsdaten 6x20. Um den Polarstern zu finden, reicht das allemal. Das Loch ist natürlich per Kappe verschließbar. Natürlich guckt man von unten rein (die Fotos zeigen den Polsucher von oben.)




Das Stativ ist ein Uni 28 von Berlebach.




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Früher hieß das Stativ Uni 18L (auf dem Foto ist auch die GP-Montierung zu sehen.) Das Stativ kostet nach wie vor über 300 €, doch nach dem Gewackel bei dem klapprigen Kaufhaus-Teil von Foto Quelle ging ich lieber auf Nummer sicher.




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Die Ablage-Platte ist imo ein Glanzpunkt des Statives. Die Seitenlänge beträgt etwa einen halben Meter — man bekommt viel unter. Alles ist schön aus Holz, herrlich! Die Stahlkette unten verhindert dass sich die Beine zu weit spreizen, wenn die stabilisierende Auflageplatte noch nicht eingehängt wurde.




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Ein Stativ-Fuß. Durchdacht: Man kann den Fuß hochschrauben, und erhält dann eine freie Metallspitze, die sich in den Boden rammen lässt. Der Stutzen links "kontert" quasi.




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Das Berlebach aus Spaß mal voll ausgezogen. (Bei der GP ist normalerweise ein Alu-Stativ dabei, dieses Holz-Stativ stellt wohl die stabilere Wahl dar.) Das Stativ nervt zwar mit 7 kg Gewicht, macht bei der Arbeit aber unheimlich Freude.




Zum Reingucken braucht man ja Okulare.



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25 und 9 mm habe ich sogar doppelt (nicht im Bild, der Binokular-Ansatz ist ohnehin zur Reparatur) und das eine 7 mm zum Testen. Das 9-mm-Okular ist länger, kein Wunder, hat man hiermit ja noch 50° Gesichtsfeld. Das 7 mm (45° Gesichtsfeld) verlangt mehr Konzentration dabei, die Einblickposition zu halten. Beim Bino ist die Problematik aufgrund der Glaswegkorrektoren (mit Vergrößerungsfaktor) entspannter.




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Auf der Platte die 2"-Hülse (als kurzbauende oder als verlängernde Hülse einschraubbar), die T2-Verlängerunshülse, ein LV-Okular 9 mm, und eine 31,8-mm-Schutzkappe (für die 31,8-mm-Redizierhülse.)




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Hauptsächlicher Vorteil bei den LV-Okualaren: 20 mm Augenabstand. Trotz seiner kompakten Abmessungen hat dieses Okular bei 7 mm Brennweite noch eine große Augenlinse anstatt ein "Papageien-Auge".




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Beim 9 mm (bis zum 25-mm-Okular) ist die Augenlinse sogar noch etwas größer. Das 9 mm macht mir tatsächlich unheimlich viel Spaß: 102 Vergrößerungen, 1 mm Austrittspupille, sehr bequemer Einblick der auch das eine oder andere Kopfwackeln verzeiht, und wie es bei 1 mm AP auch sein sollte, ein schön klares, kontrastreiches Bild.




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Das Vixen 60° Amici-Prisma. Für Tagesbeobachtungen sehr gut, nachts aufgrund Spike-Erzeugung wenig empfehlenswert.




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Mit der Digitalkamera freihändig die Austrittspupille abfotografieren? Nach einigen Versuchen brachte ich das zustande. Der Balkon war übrigens nach dem Aufbau zufällig drin, ich bemerkte das Motiv erst auf dem LC-Display der Coolpix.



Große Fotos zum Abschluss.



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Je nach Perspektive kann auch ein Vierzoll-Refraktor beeindruckend sein.




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Mit der Montierung zu arbeiten, macht Spaß.




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Montierung und Rohr noch mal im Überblick.



Ich hoffe, die Foto-Schau hat euch gefallen. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte :) Einen wirklichen Erfahrungsbericht kann ich noch nicht liefern, da ich erst eine Handvoll richtiger Beobachtungsnächte hinter mir habe.


Zuletzt geändert von aths am 03 Okt 2003 18:23, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 03 Okt 2003 17:00 
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Ich hab schon an deinem entschluss, ein teleskop zu kaufen, gezeifelt.
Die rede davon war ja irgendwann in frühling wenn mich nicht alles täuscht?

Schade dass ich mich nicht näher mit dieser materie auskenne aber das equipment scheint ja echt gut ausgewählt zu sein. Naja, so wie ich das sehe kann man so ein gerät ja praktisch ewig haben, dann muss es aber schon spass machen damit zu arbeiten.

Aber für was bist du an diesem tag auf die wiese geschlendert? Nur zum auf- und abbauen? Keine fotos vom himmel? Wurde es dir etwa schon zu kalt in der nacht? :lol:


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BeitragVerfasst: 03 Okt 2003 17:25 
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DocEvil hat geschrieben:
Ich hab schon an deinem entschluss, ein teleskop zu kaufen, gezeifelt.
Die rede davon war ja irgendwann in frühling wenn mich nicht alles täuscht?

Also wie gesagt seit Sommer dieses Jahres habe ich das Ding. Seit Frühling letzten Jahres suchte ich ein vernünftiges Teil. (Die Digicam, ne Coolpix 2000, habe ich seit August, da lag es ja nahe, mal ein paar Bilder zu machen...)

So'n Teleskop ist nix, was die auf Lager halten, da vergehen von der Auftragsbestätigung bis zur Lieferung durchaus einige Wochen. Amarok (Mod im 3dc-Forum) kauft sich z.B. 'n richtig großes Teil und darf insgesamt Monate warten...



DocEvil hat geschrieben:
Schade dass ich mich nicht näher mit dieser materie auskenne aber das equipment scheint ja echt gut ausgewählt zu sein. Naja, so wie ich das sehe kann man so ein gerät ja praktisch ewig haben, dann muss es aber schon spass machen damit zu arbeiten.

Diese "Hardware" ist langlebig :) wenn man sie pfleglich behandelt. Was die Auswahl des Equipments angeht, so hieß es bei mir Klasse statt Masse. Das heißt, für das Geld könnte man mehrere Komplett-Teleskope bekommen, von denen jedes einzelne mehr zeigt als meins. Aber ich sags mal so: Astronomie ist ja ein Hobby bei mir. Würde ein Weinkenner den Wein nach dem Alkoholgehalt oder nach dem Geschmack wählen?

Entscheidend ist natürlich nicht die Marke allein, viele Marken bieten vom Einsteiger-Modell bishin zu High-End an. Mit durchaus etwas Stolz kann ich sagen, dass mein Gerät eher in Richtung HighEnd geht.



DocEvil hat geschrieben:
Aber für was bist du an diesem tag auf die wiese geschlendert? Nur zum auf- und abbauen? Keine fotos vom himmel? Wurde es dir etwa schon zu kalt in der nacht? :lol:

Nur zum machen dieser Fotos habe ich das Ding raugetragen. Um sinnvoll Fotos vom Himmel zu machen, benötige ich weiteres Equiptment, erst mal will ich aber Erfahrung bei der visuellen Beobachtung sammeln. Nachts ist's natürlich kälter als draußen. Warme Klamotten gehören zur Astro-Austattung dazu...

DocEvil hat geschrieben:
Keine fotos vom himmel? :lol:

Doch Bild

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Zuletzt geändert von aths am 03 Okt 2003 18:09, insgesamt 7-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 03 Okt 2003 17:29 
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 Betreff des Beitrags: *NEID*
BeitragVerfasst: 03 Okt 2003 18:07 
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Hallo aths,

ich geh mal ein bischen in die Geschichte! :)

Wärend meiner Abi-Zeit in den 70er Jahren habe ich mich mal recht intensiv mit dem Thema beschäftigt, da hatren wir auch einen Lehrer mit selbstgebautem Fernrohr, womit wir öfter mal Abends in der Kühlung unterwegs waren und so bin ich zu meinen ersten guten Erfahrungen mit der Himmelsbeobachtung gekommen.

Dann beim Studium (Physik) in Rostock, hattren wir je Woche einen Abend die Sternwarte für uns, das waren die nächsten guten Erfahrungen.

Dann als Lehrer hatten wir die guten alten DDR Schulfernrohre und nach der Wende wurde es nicht mehr besser.

Sprich in der Schule bekommt doch heute ein Schüler überhaupt kein Fernrohr mehr zu sehen, sprich es ist alles reine Theorie.


Wenn du mal soweit bist, mach doch mal ein paar schöne Photos.
Was macht dein Gerät aus Jupiter, Saturn, Mars und sehr gut sollte jetzt Orionnebel sein!

Wenn nicht komm zu mir in den Garten, ich habe sehr guten Südhimmel und Rostock ist recht weit weg, somit stört fremdes Licht kaum! :lol:

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 Betreff des Beitrags: Re: *NEID*
BeitragVerfasst: 03 Okt 2003 18:18 
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Loewe hat geschrieben:
Hallo aths,

ich geh mal ein bischen in die Geschichte! :)

Wärend meiner Abi-Zeit in den 70er Jahren habe ich mich mal recht intensiv mit dem Thema beschäftigt, da hatren wir auch einen Lehrer mit selbstgebautem Fernrohr, womit wir öfter mal Abends in der Kühlung unterwegs waren und so bin ich zu meinen ersten guten Erfahrungen mit der Himmelsbeobachtung gekommen.

Dann beim Studium (Physik) in Rostock, hattren wir je Woche einen Abend die Sternwarte für uns, das waren die nächsten guten Erfahrungen.

Hehe, mein Vater studierte auch Physik in Rostock (genau wie meine Mutter) und nutzte ebenfalls die Sternwarte.



Loewe hat geschrieben:
Dann als Lehrer hatten wir die guten alten DDR Schulfernrohre und nach der Wende wurde es nicht mehr besser.

Sprich in der Schule bekommt doch heute ein Schüler überhaupt kein Fernrohr mehr zu sehen, sprich es ist alles reine Theorie.

Die Telementor-Fernrohre waren, soweit ich weiß, von sehr guter Qualität, wenn natürlich auch die begrenzte Öffnung nicht sehr viel zeigen konnte. Bei uns am Christophorus-Gymnasium gehörte zum Physik-Unterricht noch ein Besuch in der (gegenüberliegenden) Sternwarte. Mich fasziniert der Live-Anblick eines Planeten oder Gasnebels mehr, als ein Foto, auch wenn das Foto detailreicher ist.



Loewe hat geschrieben:
Wenn du mal soweit bist, mach doch mal ein paar schöne Photos.
Was macht dein Gerät aus Jupiter, Saturn, Mars und sehr gut sollte jetzt Orionnebel sein!

Da hänge ich am besten mal meinen letzten Beobachtungs-Bericht an...



Loewe hat geschrieben:
Wenn nicht komm zu mir in den Garten, ich habe sehr guten Südhimmel und Rostock ist recht weit weg, somit stört fremdes Licht kaum! :lol:

Leider habe ich kein Auto :( Falls du mobil bist, könnten wir aber gerne bei einer sich abzeichnenden guten Nacht das Ding mal in deinem Garten ausprobieren. Der Winterhimmel ist ja im kommen, und damit einige interessante Deep-Sky-Objekte, außerdem sieht es im Moment planetentechnisch so gut aus wie schon lange nicht mehr...


Zuletzt geändert von aths am 03 Okt 2003 18:22, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Um den Saturn betrogen!
BeitragVerfasst: 03 Okt 2003 18:20 
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Ort: Stadtrand von Wismar.
Datum: 28.9.2003, ca. 5:20 - 6:30 Uhr.
Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25".
Bedingungen: Kein Mond, kaum Dunst, aber heftig blinkende Sterne, ziemlich freier Himmel mit einigen Wolkenstreifen, Licht von den Fenstern eines nahen Wohnheims und von Laternen in der Nähe.
Besonderheiten: Das erste mal M42 gesehen. Weitere "Firsts" mit dem ED.


Objekte:
- Jupiter (größter Planet im Sonnensystem) und seine vier großen Monde
- M42 (großer Gasnebel im Sternbild Orion)
- Sirius (Hauptstern im Sternbild "Großer Hund")
- Procyon (Hauptstern im Sternbild "Kleiner Hund")


Mein Fernrohr habe ich ja nicht zum an-, sondern zum durchsehen gekauft, und so war ich heute morgen damit unten. Kurz nach halb fünf wurde ich wach, und da ging durch meinen Kopf, dass Saturn ja gut sichtbar sein sollte. Also aufgestanden, Computer hochgefahren und ein Programm gestartet, welches den Himmel zeigt (namens "Cartes du Ciel"). Kaffee in der Mikrowelle warm gemacht, eine kleine Stärkung mit einem Streifen Kuchen, und dann in zwei Gängen die notwendige Ausrüstung nach unten getragen.

Schon als ich mit Stativ und Montierung beladen war (also beim ersten Gang) sah ich das bekannte Sternbild "Orion". Der Orion schuldete mir noch einen Nebel. In der Nähe stand ein irre heller Stern. Saturn?? Nun, Planeten blinken ja nicht, wenigestens nicht so heftig... beim zweiten Gang hatte ich alles benötigte unten und baute auf. Das dauerte doch einige Minuten länger, als gedacht.

Im Osten deutete sich bereits die Dämmerung an. Also Verzicht auf den ganzen Justier- und Ausrichtungs-Kram. Da sah ich endlich den gesuchten Planeten: Ein ruhig strahlender, irgendwie majästetisch scheinender Punkt. Aber so östlich?! Aber was sollte es sonst sein. Also, das Rohr geschwenkt, den Sucher in den Halterschuh gesetzt und fixiert, dann den Lichtpunkt mit dem Fadenkreuz zentriert, dann durch das 25-er Okular geschaut (es bringt bei mir eine Vergrößerung von 37x.) Immerhin, das Objekt war noch knapp im Blickfeld. Ich zentrierte es im Okular und dann erkannte ich ihn auch: Jupiter.

Von wegen Saturn! Jupiter hatte sich übrigens zuerst durch seine großen Monde verraten, drei der vier waren in der Äquatorialebene sichtbar. Jene stand allerdings Kopf. Das verwunderte mich. Ich ging auf Vergrößerung um dem Göttervater Details zu entlocken. Sogar mit den beiden großen Wolkenbändern gabs Probleme, die Sichtbedingungen waren grauenhaft. Mit 131x ging das Bild nicht mehr scharf. Als nächstes, bevor es zu hell würde, auf zu M42!

Ich rührte etwas im Himmel herum und fand nix. Deshalb wollte ich erst mal an Beteigeuze (dem großen roten Stern, links oben im Orion) den Sucher justieren aber da flutschten mir die Gürtelsterne des Orions durchs Bild. Also doch kein Beteigeuze, sondern gleich nach dem Nebel gesucht. Man sieht ja selbst aus der Stadt heraus mit bloßem Auge, dass da "irgendwas ist". Irgendwas diffuses mit Ausdehnung. Was Geheimnisvolles. Das ist mir schon lange bekannt, leider richtete ich in allen den Jahren meinen alten "Revue" 60/700-er nie auf den Orion-Nebel..

Nun aber! Im Sucher die drei charakteristischen Sterne in vertikaler Anordnung, wo irgendwo M42 sein muss. Das LV25. Nur Sekunden später wandte ich den Blick wieder ab. Um nicht das Okular zu befeuchten: Meine Augen tränten, vor Überwältigung!!

Der Nebel.

Ich sah den Nebel. Mit zwei "Schwaden" ("Armen"). Und mit Fläche. Klar und deutlich. Mit indirektem Sehen wirkte er noch größer und schon fast wie auf Fotos (mal abgesehen von der Farbe.) "Indirektes Sehen" ist ein Trick, dass man am Objekt vorbei guckt, aufgrund der Anatomie des Auges hat man dort zwar kaum Farbsehen, aber kann Helligkeitsunterschiede besser wahrnehmen. Da ich mit meinem Fernrohr beim Orionnebel ohnehin keine Hoffungen auf Farbe habe, ist das indirekte Sehen eine gute Möglichkeit, lichtschwache Dinge zu sehen die man bei direktem Draufgucken nicht erkennt.

Minutenlang führte ich das Fernrohr bei 37x nach. Ich sah im Nebel drei Sterne die fast auf einer Reihe standen, und auf der andere Seite einen Dreifach-Stern. Nö, das waren sogar vier Lichtpunkte, wenn man genauer hinsah. Faszination Weltraum.

Aus Spaß das 9-mm-Okular gezückt... allerdings mit der Befürchtung, wegen dem Licht keine vernünftigen Kontraste mehr zu haben. (Mit 9 mm habe ich 102x, und 1 mm Austrittspupille.) Was ich dann aber sah, haute mich um. Struktur. Also im Nebel. Struktur!! Im Nebel waren "Knoten" auszumachen. Er sprengte übrigens schon das Gesichtsfeld, das mit zunehmender Vergrößerung ja kleiner wird. Das Zentrum von M42 war zwar drin, aber die Ausläufer wurden abgeschnitten. Also fuhr ich mit Hilfe der Fein-Nachführung den Nebel ab. Und kam aus dem Staunen nicht heraus: Eine Art Dunkelwolken-Band. Und der Vierfach-Stern entpuppte sich als Trapez. Wer hätte gedacht, dass Astronomie so schön sein kann?

Das 7 mm LV (was mir 131x beschert) war etwas schon etwas schwieriger beim Scharfstellen, aber den Schärfepunkt zu finden ging dann doch. Das Gesichtsfeld war allerdings erheblich kleiner geworden. (Von 0,49° zu 0,34°.) Man überschaut nur noch die halbe Fläche, was den Überblick bei solch großen Objekten wie M42 erschwert. Das komische Trapez war dafür größer.

Eins ist fakt: Mit meinem Gerät werde ich es dereinst einrichten, M42 in einer pechschwarzen Nacht zu sehen. Schon jetzt freute ich mich über den Kontrast, mit dem ich nie gerechnet hätte. Und die Umstände waren heute wenig hilfreich: Städtisches Streulicht, herannahende Dämmerung, eine dünne Wolke nahe der Gürtelsterne...

Wo ist nun eigentlich der Saturn? Wegen ihm war ich ja da. Ich fuhr nun doch den blinkenden, hellen Stern an. Natürlich war es ein Stern, und kein Planet. Sirius, übrigens. Unglaublich hell.

Also wenigstens nochmal den Jupiter angesteuert, der etwas gestiegen war. An ihm noch schnell den Sucher justiert... Die beiden Haupt-Wolkenbänder waren aufgrund der gewonnen Höhe besser zu sehen. Sie schienen zudem nicht so gleichmäßig (und auch nicht so unscharf) wie ich es noch von früher mit dem alten Fernrohr kannte, sondern schienen über die Oberfläche ihre Dicke oder zumindest Helligkeit zu ändern. Von "Großen roten Fleck", den ich früher ansatzweise wohl doch mal drin hatte, aber nix zu sehen. Der vierte Mond zeigte sich jetzt, ganz nah am Äquator. Ich versuchte, dem Jupiter weitere Details zu entlocken. Bedächtig drehte ich den Tubus nach, und beobachtete abwechselnd mit beiden Augen.

Der Planet gab ein hervorragendes Beispiel für den Effekt "Atmosphärische Refraktion" ab, er sah wie durch ein Prisma betrachtet aus. Trotzdem, seine Polgebiete schienen nach eingehender Beobachtung dunkler als die Umgebung. Blickweise bildete ich mir ein, in Polnähe je ein weiteres Band zu sehen. Das würde ich aber nicht beschwören wollen, die durch die kommende Sonne wohl schon angeheizte Luft "kochte" unerträglich. Aber, wo war der Saturn? Ich geh hier nicht weg, bevor ich den Ringplaneten gesehen habe!

Einen hellen Stern fuhr ich noch an. War aber auch nur ein Stern. (Procyon, wie ich später nachsah.) Verzweiflung macht sich breit. Die Sternkarte hatte ich nicht mitgenommen. Der Saturn sollte in den Zwillingen stehen. Aber inzwischen wurde es hell, der Orion verblasste bereits. Ich kann jawohl noch Planeten von Sternen unterscheiden, und _weiß_, dass der Saturn nicht gerade unauffällig ist. Ich guckte den Himmel ab. Dabei drehten sich im Kopf die Zahnräder: Der Saturn muss sich ja zwangsläufig in der Ekliptik befinden (das ist die Ebene, in der alle Planeten liegen.) Der Jupiter ist nicht so sehr gegen die Ekliptik geneigt, und seine Monde liegen im moment fast vertikal. Das müsste die ungefähre Ebene sein.

Aber da war kein Saturn. Der Himmel zeigte bereits seine blaue Farbe. Noch mal zum Jupiter gefahren, der wieder etwas gestiegen war. Der bewusste Jupiter-Mond (übrigens der Io, wie ich nachgeguckt habe) war nun etwas weiter vom Jupiter entfernt. Wirklich faszinierend, die Mondbewegungen eines anderen Planeten hautnah mitzuerleben! Live-Programm, direkt aus dem Weltraum gesendet. Ich probierte noch mal das 7 mm LV. Blickweise war das Bild nun fast scharf. Die Polkappen sind eindeutig dunkler. Der Planet ist zudem erkennbar abgeflacht. 130x ist gegenüber 100x ein merklicher Unterschied. Die eigentliche Vergrößerungsleistung konnte ich heute nicht ausnutzen, wie mächtig würde der Planet erst bei 200x scheinen...

Nur den Saturn, den sah ich nicht. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, aber es wurde bereits hell. Frustriert das Gerät abgebaut. Alles metallische war ausgekühlt, der Tau machte die Oberflächen glitschig. In zwei Gängen ist das Geraffel wieder oben. Vorwurfsvoll auf Cartes du Ciel geguckt: Ich Depp. Ich Riesenhirni. Saturn ist so weit gestiegen, dort hatte ich natürlich nicht geguckt... und nun war schon abgebaut.


Trotzdem, in dieser Nacht leckte ich erneut Blut: Jupiter wird mir noch viel Freude machen, und der Orion-Nebel war das beeindruckendste, was ich am Himmel je gesehen habe.

Oben hörte ich erst mal "Here comes the sun" (sie kam ja auch wirklich) von George Harrison und schrieb dann gleich diesen Beobachtungsbericht.

Bild
Rechts sieht man Jupiter.


Bild
Die Dämmerung ist zuweit forgeschritten: Es macht keinen Sinn mehr. Abbau.


Zuletzt geändert von aths am 03 Okt 2003 18:29, insgesamt 3-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: *NEID*
BeitragVerfasst: 03 Okt 2003 18:25 
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aths hat geschrieben:
Leider habe ich kein Auto :( Falls du mobil bist, könnten wir aber gerne bei einer sich abzeichnenden guten Nacht das Ding mal in deinem Garten ausprobieren. Der Winterhimmel ist ja im kommen, und damit einige interessante Deep-Sky-Objekte, außerdem sieht es im Moment planetentechnisch so gut aus wie schon lange nicht mehr...


Das sollte nicht das Problem sein, ich habe ein Auto wo ihr beide (Du und dein Fernrohr) gut reinpasst und bis Wismar sind es knapp 30 min.
Nur bei Familie muss so etwas geplant werden, sprich wir sollten das nicht von heute auf morgen angehen.
Wäre aber grundsätzlich kein Problem! :)

Bezüglich der DDR Schulfernrohre, soweit ich weiß haben wir noch welche in der Schule. Sie waren wirklich nicht schlecht, nur eben eine etwas kleine Öffnung und somit wenig Licht.

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 Betreff des Beitrags: hallo?
BeitragVerfasst: 03 Okt 2003 19:30 
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ich sitz hier bei 10mbit standleitung. denkt mit den bildern auch mal an andere :D also super bilder n1 thread aber wieso kauft ihr euch ne teleskop? wir sind nicht allein im weltall oda wie?

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 Betreff des Beitrags: Re: *NEID*
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Loewe hat geschrieben:
Das sollte nicht das Problem sein, ich habe ein Auto wo ihr beide (Du und dein Fernrohr) gut reinpasst und bis Wismar sind es knapp 30 min.
Nur bei Familie muss so etwas geplant werden, sprich wir sollten das nicht von heute auf morgen angehen.
Wäre aber grundsätzlich kein Problem! :)

Bezüglich der DDR Schulfernrohre, soweit ich weiß haben wir noch welche in der Schule. Sie waren wirklich nicht schlecht, nur eben eine etwas kleine Öffnung und somit wenig Licht.

Hi, das ist ja klar, dass das organisiert werden muss. Als Student bin ich ja auch den Zwängen des Stundenplans (bzw. der Praktika / Projekte) unterworfen, so dass auch von meiner Seite Absprache und Planung erforderlich ist. Weiteres per Mail, denke ich...

Die Schulfernrohre, ja, die haben afaik 50 mm Öffnung. Mein erstes "Teleskop" hatte ja 60 mm, aber schon damals wollte ich eigentlich lieber 70. 80, gar 90 wären mein Traum gewesen... was träumte ich z.B. vom Vixen GP 90M! Leider ist dieses gute Teil nicht mehr lieferbar, nur noch der lichtschwächere 80M (sowie der zwar optisch sehr gute, aber sperrige 80L) und das 102M. Der 102M zeigt bei hohen Vergrößerungen wohl schon Fraunhofer-typische Farbsäume. Ich hätte ihn trotzdem genommen, hätte Vehrenberg rechtzeitig 'nen 2"-OAZ besorgen können...

... mit dem Warten und überlegen wuchs das Budget, so dass ich schließlich das 102S kaufte.


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 Betreff des Beitrags: Re: hallo?
BeitragVerfasst: 03 Okt 2003 19:44 
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bone hat geschrieben:
ich sitz hier bei 10mbit standleitung. denkt mit den bildern auch mal an andere :D also super bilder n1 thread aber wieso kauft ihr euch ne teleskop? wir sind nicht allein im weltall oda wie?

Also wenn du nach der Lektüre des geposteten Erfahrungsberichtes nicht nachvollziehen kannst, warum ich das Teleskop kaufte, wirst du es vermutlich nie verstehen Bild


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BeitragVerfasst: 04 Okt 2003 19:12 
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@aths

Du hast völlig recht, auch wenn wir uns in den schönsten Nächten fast den A... abgefroren haben, nichts kann die Blicke durch ein echtes Teleskop ersetzen!
Wenn ich meine ersten Blicke auf Jupiter udn seine Monde bedenke, das war schon ein Ereignis. :)
Ich habe schrecklich viel vergessen, ist halt schon lange her, aber es war eine tolle Zeit in der Sternwarte.

Dein Bericht ist sehr interessant!
Du hast auch zum groß Teil genau das gewählt was ich jetzt so spontan auch genommen hätte! 8)

Mich habe Sterne eigentlich immer gelangweilt, wenn dann Planeten und Nebel/Galaxien.
Ich weiß jetzt nicht wo Andromeda steht, lohnt sich aber auf jeden Fall!

Noch etwas warten bis es mehr Winter ist, dann wird die Luft ruhiger und man kann mit etwas großeren Vergrößerungen ran gehen.

Bezüglich meinem Garten, den Rest per Mail, sehe ich genauso! :D

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BeitragVerfasst: 05 Okt 2003 20:07 
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Ort: Stadtrand von Wismar.

Datum: 4.10.2003, ca. 22:50 - 0:50 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Anfangs tiefer Mond (ca. 60% voll), Bodennebel bzw. -dunst, nicht so heftig blinkende Sterne, im Großen und Ganzen ziemlich freier Himmel jedoch mit einigen Wolken, Licht von den Fenstern eines nahen Wohnheims und von Laternen in der Nähe.

Besonderheiten: Beobachtung in einer größeren Gruppe. So viele Objekte in einer Nacht, wie noch nie. Das erste mal Saturn mit dem ED gesehen. Mars so gut wie noch nie. Vorzeitiger Abbruch der Beobachtungnacht, weil den Teilnehmern zu kalt wurde (dabei hatte ich vorher gewarnt...)


Objekte:
- Mars ("Der rote Planet")
- Mond
- Mizar und Alkor (Scheinbarer Doppelstern im Großen Bären, "Augenprüfer")
- Plejaden ("Das Siebengestirn")
- M57 ("Ringnebel in der Leier")
- Saturn ("Der Ringplanet")


Viele Leute, viele Objekte, es gibt viel zu erzählen, also nicht viel der Vorrede: Ich fragte drei Leute aus meinem Matrikel ob sie Lust hätten, zwei sagten zu und brachten jeweils noch zwei weitere mit, so dass wir insgesamt sieben waren. Die meisten hatten noch nie durch ein Fernrohr geschaut... Rechtzeitig sammelte ich das Zubehör zusammen, stellte schon mal die Tubustasche auf den Balkon damit das Fernrohr Arbeitstemperatur erreicht :) und freute mich auf die kommenden Beobachtungen. Übrigens ist das die erste Nacht gewesen, wo beide Klappstühle unten waren (sonst immer nur einer.)

Aufbau des Fernrohrs, und ein Versuch, "einzunorden" (also die Montierung auszurichten.) Hierfür stellte ich vorher zuhause extra noch die Polhöhe nach. Letztlich genügte mir eine grobe Ausrichtung. Jetzt musste noch die vergessene Taukappe geholt werden, dabei nahm ich auch den ebenfalls vergessenen Karkoschka und die drehbare Sternkarte mit. Diese Literatur würde ich allerdings kaum brauchen, denn was auf dem Programm stand war ja auf den drei Karten verzeichnet, die mir das Freeware-Programm "Cartes du Ciel" druckte. (Die Karten zeigten jeweils den kompletten Himmel, jedoch für unterschiedliche Uhrzeiten.)

Das Rohr aufgesetzt, das Zubehör adaptiert, mit dem Fernglas Richtung Mars geschaut: Das sollte das erste Objekt des Abends sein. Vorher meinte ich noch, es gäbe heute Nacht so viel zu sehen, das sei gar nicht alles zu schaffen. Das brachte mir mutige Bemerkungen ein, das Durchhaltevermögen nachts im Freien betreffend. Jemand beobachtete inzwischen eine Sternschnuppe, die mir leider entging. Ist überhaupt Sternschnuppenzeit? Naja, sowas kann ja praktisch zu jeder Jahreszeit vorkommen...

Der Kriegsgott zeigte sich aufgrund seines niedrigen Standes wenig detailreich. Dunkelgebiete waren zu erkennen, aber keine Polkappe, die atmosphärische Refraktion verschluckte offenbar eine Menge Details. Die Gruppe schaute den Mars an, und war mäßig begeistert. Nicht jeder erkannte auf Anhieb die Dunkelgebiete, die mir förmlich ins Auge sprangen.

Es wurde gefragt, was der Nebelfleck da im Himmel sei. Das fragte ich mich auch, schaute durchs Fernglas und erkannte das Siebengestirn natürlich sofort. Im gleichen Zuge war ich einmal mehr von den Plejaden überwältigt: Da stehen sechs, sieben helle Sterne zusammen. Das Fernglas wurde herum gereicht und ich achtete darauf, dass sich das jeder mal durchs Glas ansieht. Einige guckten auch auf den Mond damit und erkannten bereits Krater. Ab jetzt werde ich immer auch das Fernglas mitnehmen.

Um die Stimmung weiter zu heben, peilte ich nun mit dem Teleskop den Mond an.

"Da braucht man ja 'ne Sonnenbrille" meinte ich bei 37x, was mir sofort abgekauft wurde, da unser Trabant im Okular offenbar einen sichtbaren Lichtfleck auf dem Auge erzeugte. Der Mond war etwa zu 60% voll. Wie erwartet, war jeder fasziniert von den Krater am Terminator (so nennt man den Hell-Dunkel-Übergang.) (Ebenso klagte jeder über "den hellen Fleck" auf dem Auge, nachdem er guckte. Die Dunkeladaption war wirklich erst mal hin.) Ich erhöhte die Vergrößerung nun auf 102x. Wäre ich alleine, wären erst mal in aller Ruhe die Kraterlandschaften betrachtet worden. Nun aber guckte eben jeder mal durch und staunte noch mal. Wegen der hohen Vergrößerung und der folglichen schnellen Wanderung am Himmel musste ich hin und wieder das Objekt neu einstellen. Dabei reichte es dank der groben Einnordung, im Prinzip mit der Nachführung in einer Achse auszukommen...

Übrigens war das etwas fummelig, wenn der Tubus gedreht wurde, waren die Nachführ-Wellen, bzw. Stangen- und Knöpfe auf der falschen Seite. (Nachdem sich die biegsame Welle löste verzichtete ich auf neuerliches Befestigen und nahm die Stange. Deklination führte ich halt per Knopf nach.) Mehrfach musste ich den Tubus auch radial drehen. An dieser Stelle die Bemerkung, dass ich vorher eine Art "Fernrohr-Einweisung" druckte und jedem zum Lesen gab und dort u.a. über den Augenabstand der LV-Okulare aufklärte. Die mechanische Bedienung übernahm ich jedoch komplett.

Wie sollte es mit der Astro-Tour nun weitergehen? Ich guckte durch das Fernglas zu Mizar und beschloss: "Keine Experimente" und stellte den mittleren Deichselstern des Großen Wagens im Fernrohr ein. Der Doppestern-Renner in jeder Nacht... Jeder guckte und sah über Mizar auch Alkor, das Reiterlein... Mizar selbst ist ja auch noch mal ein Doppelstern, was einige auf Anhieb erkannten. Das Teleskop richtete ich dann auf die Plejaden. Natürlich reicht ein Feld von 1,3° für den Überblick nicht aus, man sah aber trotzdem "viele helle Sterne", was zumindest mich begeisterte. Ich fuhr das Feld ab. Vom Reflektionsnebel natürlich keine Spur. Trotzdem beeindruckend, immer aufs neue. (Egal ob im 8x30 Fernglas meines Vaters, im "Revue" 60/700, jetzt im 10x40 Fernglas oder im Teleskop.)

Was nun? Also doch mal in den Karkoschka und auf die Cartes-du-Ciel-Karten geguckt. Und überlegt. M57? Der untergehende Mond verzog sich hinter Wolken, gut. Wo müsste man jetzt suchen? Etwas gewartet und auf bessere Dunkeladaption gehofft. Dann Leier anhand des hellen Hauptsterns und dem charakteristischem "Kasten" gefunden. Aber die Leier stand über dem Wohnheim, der Himmel war dort besonders hell. Hat das dann überhaupt einen Zweck? Ich rührte etwas im Himmel herum, bis die beiden unteren Kastensterne im Sucher waren, zentrierte die Halbierende und sah bei 37x nach: Dort ist er ja, der Rauchkringel. Schwach, indirekt aber deutlich. Hmmm, lohnt eine stärkere Vergrößerung? Reicht der Kontrast? Probieren geht über studieren... Tatsache!! Durch die stärkere Vergrößerung schien ja auch der Himmel dunkler, der Kontrast reichte für schwache Erkennbarkeit bei direktem, und deutliche Wahrnehmung bei indirektem Sehen.

Natürlich war der Ringnebel für einige problematisch, letztlich sah aber jeder was. Das generelle Problem in der Gruppe war, dass jeder sofort was sehen wollte. Beim Ringnebel muss man aber schon die Ruhe mitbringen, und entspannt "vorbei gucken". Wie das geht, versuchte ich zwar zu erklären, aber letztlich muss die Technik jeder selbst für sich lernen. Für mich war's die dritte Sichtung des Ringnebels, trotzdem beeindruckte der Rauchkringel aufs neue. Übrigens musste man mit der Hand das Licht vom Wohnheim abblenden, sonst gab es ein Reflektion auf dem Okular, irgendwann werde ich wohl doch mal ein schwarzes Tuch kaufen. (Und am besten auch das örtliche Kraftwerk sabotieren...)

Welches Objekt jetzt? Ich hatte Lust auf Deep Sky. Den Doppelsternhaufen "h+x Perseus"? Im Karkoschka war das Objekt schnell gefunden, aber am Himmel suchte ich ihn ja schon mal vergeblich. Das sollte heute nicht riskiert werden, ich wollte was zum Zeigen anbieten können. Den "Kugelsternhaufen im Herkules" M13? Der stand ebenfalls ungünstig über dem Wohnheim, aber wenn der Ringnebel schon so gut funktionierte... nun müsste man nur noch den Herkules finden. Das war schwieriger als gedacht. Nur die rechte Hälfte des Sternbildes war vernünftig zu sehen. Leider war der Kugelsternhaufen nicht zu finden. Sehr viel Geduld brachte ich dafür aber auch nicht auf. Wenigstens war der Mond inzwischen weg.

Nur die Ruhe! Ich sah mich um. Da gabs einen ruhig strahlenden Punkt. Schon Saturn? Die Himmelsrichtung könnte stimmen... also das Rohr geschwenkt! Schon bei 37x den Ring gesehen. Saturn. Endlich! Hochvergrößert, leider habe ich im Moment nur Okulare für bis zu 131x. Das war angesichts des niedrigen Standes aber schon zuviel, also mit 102x gearbeitet. Zunächst guckte ich selbst. Minutenlang. Das Seeing war fürchterlich, kein Wunder. Von der Ringteilung keine Spur. Die "Bauchbinde", ein äquatoriales Wolkenband, schien aber sichtbar. Kann das sein, oder war das eine optische Täuschung? Na nun sollten auch mal die anderen gucken...

Selbstverständlich gabs in der Gruppe entsprechendes Hallo. Trotz des Luftzitterns. Allerdings hatte einer Probleme, er sah nur "was Längliches" ("ein Bakterium") und "zwei schwarze Punkte". Die meisten erkannten den Ring jedoch als solchen. Jemand verabschiedete sich inzwischen, kurz darauf auch die Freundin meines Freundes (der selbst noch da blieb) ebenso die Freundin der Freundin. Dass die Frauen jetzt weg waren, änderte nichts an der Weichlichkeit in der Gruppe: Bei den übrig gebliebenen mehrten sich ebenfalls die Stimmen, die auf ein absehbares Ende drängten. Ehrlich, das enttäuschte mich. Gut, trotz zwei Hosen übereinander, trotz zwei Pullover (plus Jacke) war auch mir relativ kalt, aber ohne Opfer kein Lohn. Astronomie ist nunmal kein Fernsehen (oder eigentlich ja schon, sogar im wahrsten Sinne des Wortes.) Ich zeigte auf den einen Stern (der wegen des niedrigen Standes heftig blinkte) und fragte, ob der rötliche Stern gesehen würde. "Das ist ein Stern!" wurde jetzt akzeptiert, offenbar gab es vorher eine Diskussion, was das sein soll. Ich sagte, dass das Beteigeuze sei, welcher zum Orion gehöre, und dass bald seine Gürtelsterne aufgehen würden, und man darunter den großen Orion-Nebel fände. Das konnte leider keinen so recht begeistern.

Eigentlich hatte ich Lust auf Deep Sky. Doch noch h+x? Naja, das Himmel-W, in dessen Nähe man suchen müsste, steht so zenitnah (also sehr weit nach oben), da müsste man das Stativ jetzt ausziehen und die Montierung neu in die Waagerechte bringen, dazu hatte ich dann auch keine Lust.

Der Planet Uranus müsste in der Nähe des Mars stehen. Ich peilte nochmal auf den Mars und guckte links und rechts davon nach dem Uranus. Vielleicht sah ich ihn, dann aber nur zufällig. Der Uranus ist ja irre weit weg, Oberflächendetails kann man ohnehin nicht erkennen, maximal wäre ein kleines Scheibchen drin. Ich brach die Suche schnell ab, denn der Mars stand jetzt höher, und 131x offenbarte bislang ungeahnte Details.

Leider war das 7-mm-Okular beschlagen. Das führte zu einem großen Reflex auf der Augenlinse. Ich guckte einfach da durch und staunte. Die Kreisfläche waberte kaum noch. Der Planet offenbarte seine Dunkelgebiete nicht mehr nur als verschwommene Flecken, sondern schärfer abgegrenzt. Jetzt wäre da viel mehr noch drin als nur 131x, ich schätzte die sinnvolle Vergrößerung auf 170x oder höher. Immerhin war "unten", etwas rechts, noch der Polkappenrest auszumachen. (Im großen und ganzen ist die Polkappe auf dem Mars inzwischen mal wieder weitgehend abgeschmolzen.) Die Farbgebung der Mars-Oberfläche erinnerte mich an Marsfotos. Das verschlug mir den Atem. Und diese Details... Blickweise hatte ich einen tollen Mars. Ja ich sah den Mars und nicht nur diffuse Flecken im Waber-Waber. Die beste Zeit während der Opposition verpasste ich ja leider, weil der Händler es da verdusselte, mir die eingeschickten verkanteten Reduzierringe rechtzeitig zurückzusenden. Wieviele Millionen Kilometer ist der Mars eigentlich schon wieder weg? Eins ist mal fakt, die nächte Opposition (= günstige Stellung um Planeten zu beobachten) wird 2005 kommen, und dann werden keine Kosten gescheut, dem Mars mit 200x zuleibe zu rücken.

Das 9-mm-Okular war noch nicht beschlagen, aber beim Mars brauchts Vergrößerung! Ich muss mir was gegen das Beschlagen der Okulare einfallen lassen...

Nun sollte noch mal zum Abschluss — es wurde schon gedrängelt — der Saturn rein, der inzwischen etwas geklettert war. Das Bild war erwartungsgemäß besser, und der früher die größten Probleme hatte, lobte jetzt am meisten die Klarheit. Aber ich war enttäuscht, da es die Cassini-Teilung im Ring nicht mal blickweise gab. Das Bild waberte noch immer. Der Ringschatten war drin, die Bauchbinde bildete ich mir zumindest ein, ebenso ein dunkleres Polgebiet.

Mit dem bloßen Auge guckte ich nun nochmal nach oben. Dann mit dem Fernglas in die Milchstraße. Ich war hingerissen, die Begeisterung der meisten anderen wurde offensichtlich von der Kälte überlagert und sie nervten mich mit Bemerkungen. Also Abbau. Die Taukappe war recht fest, mit etwas Drehen ging es dann aber. Ich sammelte die Kappen für die Okulare von der Stativ-Abstellplatte, und packte alles zusammen. Zuletzt wurde noch mal mit der Taschenlampe rundum über den Rasen geleuchtet, um zu gucken, ob irgendwas übersehen worden wäre.


Fazit: Immerhin sechs Objekte in zwei Stunden gesehen. Leider keines besonders ausführlich, und nichts, was ich nicht vorher schon mal durch ein Fernrohr gesehen hätte. Die Gruppe war dafür einfach zu groß. Für solche Gelegenheiten wäre eine Goto-Montierung (welche Himmelsobjekte automatisch anfahren kann) natürlich ideal, dann könnte man noch mehr in der Zeit zeigen. Ich für mein Teil möchte mir den Himmel aber lieber selbst erarbeiten, und die Objekte ohne Computer-Montierung finden. Alles in allem trotzdem ein Erfolg: Einige, die noch nie durch ein Fernrohr schauten, sahen nicht nur den Dauerbrenner "Mond", sondern auch andere Dinge, die das Weltall zu bieten hat.


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BeitragVerfasst: 15 Okt 2003 03:19 
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Aufnahmen von himmlischen Objekten habe ich leider noch nicht zu bieten, dafür einen umfangreicheren Bericht.


Ort: Stadtrand von Wismar (M/V)

Datum: 13.10.2003, ca. 19:40 - 21:50 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Wenig Wolken, anfangs mondlos, später prächtiger zu 87% gefüllter Mond, abgesehen von Zenitnähe insgesamt eher unruhige Luft, trotz der Kälte. Wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims und von Laterne, südlich Licht von einem Industrie-Gebiet.

Besonderheiten: Drei neue Objekte, Epsilon Lyrae getrennt, und mehr...


Objekte:

- Mars
- Beta Cygni ("Albireo", farbiger Doppelstern im Schwan)
- M31 ("Andromeda-Nebel", die nächste große Galaxis)
- h+x Perseus (offener Doppelsternhaufen im Perseus)
- M57 ("Ringnebel in der Leier")
- Vega (Hauptstern der Leier)
- Epsylon Lyrae (doppelter Doppelstern in der Leier)
- Mond


Ehe es mit dem Bericht los geht, möchte ich meinen Beobachtungsplatz bei Tageslicht zeigen:

Bild

Auf diesem Hügel baue ich in der Nacht das Fernrohr auf.


Bild

Auf der anderen Seite des Hügels führen diese "Treppen" nach oben.


Bild

Laternen wie diese können ganz schön nerven. Schlimmer ist das Licht vom Wohnheim selbst.


Ui, das war ein pralles Programm, und es kam auch noch so zufällig! Da mich heute in aller Herrgottsfrühe (noch in der Dämmerung) der Saturn so angelacht hatte, wollte ich eigentlich früh ins Bett, um mich dann morgens hochzuquälen um die Cassini-Teilung zu jagen. Nun entschied ich aber, dass abends mehr als Saturn zu sehen ist, und da noch gewisse Objekte zu erlegen wären, könnte Rausgehen lohnen. Mein Nachbar kam mit.

Unten Aufbau, diesmal das Stativ richtig in die Erde gerammt (in der Tat steht es so viel stabiler) und wie immer nur frei nach Schnauze eingenordet. Noch kann man übrigens nicht davon sprechen, dass der Aufbau flutschen würde.

Zunächst war Mars dran, er zeigte aber fast keine Details. Außerdem ist er schon ziemlich klein geworden. (Na warte! Irgendwann ziehen dich die Gravitationskräfte wieder näher, und dann kannst du gar nichts machen, außer mir deine oberflächlichen Details preiszugeben.) Aber eigentlich wollte ich auch viel lieber bislang ungesehene Objekte jagen. Womit anfangen? Der Schwan stand günstig, also Beta Cygni ("Albireo"). Er war heute immerhin schon mit bloßem Auge sichtbar, im Fernglas natürlich erst recht. Im Teleskop zeigte sich Albireo natürlich als Doppelstern. Und in der Tat, der hellere Stern war etwas orange, der schwächere Stern eher bläulich. 102x brachte hier gute Ergebnisse, mit 37x war aber auch schon alles zu sehen. Wahrscheinlich hatte ich ihn bereits in der First Light-Nacht schon mal kurz drin, heute aber gab es keinen Zweifel.

Auch mein Kompagnon war recht beeindruckt. Albireo werde ich mal als Party-Gag vormerken.

Vom Mond war noch nichts zu sehen. Solange es noch entsprechend dunkel ist, könnte man ja auf Deep Sky gehen... M31? Ich guckte in den Karkoschka und dann mit Hilfe des Feldstechers in den Himmel. Tatsache, irgendwas ist da. Wie erwartet, war der Anblick auch im Teleskop eher enttäuschend, ein länglicher nebliger Fleck eben. Mit indirektem sehen (= "vorbei gucken", um Helligkeitsunterschiede besser wahrzunehmen) war die Galaxis deutlich heller. Kein Zweifel, die Andromeda-Galaxis drin zu haben, aber von der diffussen Form abgesehen, praktisch strukturlos, selbstverständlich auch nicht in Sterne aufgelöst (das kann man angesichts der Entfernungen vergessen.) Um meinen Begleiter etwas zu unterhalten, brabbelte ich was von 2,25 Millionen Lichtjahren Entfernung, und dass die Andromeda-Galaxis trotz Expansion des Alls auf uns zurast, und in einigen Milliarden Jahren eintrifft, und dann wars das mit der schönen Spiral-Struktur. Natürlich erwähnte ich auch, dass unsere Galaxis bereits zwei kleinere frisst (die Magellanschen Wolken), das bei Andromeda aber nicht gelingt, da die etwa so groß ist wie unsere Galaxis... Naja, mein Kompagnon bestätigte die Sichtung vom Andromeda-Nebel.

Das klappte ja wie am Schnürchen. Ich merkte mir auch, wie man M31 findet: Von drei bestimmten hellen Sternen den in der Mitte, "und dann hoch". Wenn alles so gut geht, dann gedachte ich, die Glückssträhne auszunutzen und noch h+x zu jagen. Im Fernglas dank dem Karkoschka recht schnell gefunden. (Zwei ganz schwache, diffuse Nebelflecken.) Mit dem Teleskop war das nicht so einfach. Zunächst versuchte ich, vom linken Strich im Himmels-W bei der Seitenhalbierenden rechtwinklig nach unten zu gehen. Da konnte ich aber rühren, soviel ich wollte. Der Sucher war zu schwach, und im Okular sah man zwar Sterne, aber keine Sternhaufen.

Mit der geänderten Strategie funktionierte es dann: Den zweiten Strich im W nach unten verlängern, etwa um Faktor 2 oder 2 1/2. Dort gab es zwei Häufungspunkte von Sternen. Allerdings nicht mit Kugelsternhaufen oder so zu vergleichen, die Leuchtpünkten standen deutlich weniger dicht. Erst mal war ich enttäuscht, und ließ meinen Begleiter gucken. Dann guckte auch ich noch mal, und nun war es schon besser: Bei genauerem Hinsehen sind es doch ziemlich viele Sterne, selbst die schwachen funkelten geheimnisvoll. Doch, insgesamt beeindruckend, und sollte man auf jeden Fall vormerken.


Nach den vielen Erfolgen wurde es nun dürr auf meiner (imaginären) Abschuss-Liste. In den Karkoschka geguckt, doch ohne Vorbereitung auf neue Objekte hätte das Suchen jetzt ziemlich lange gedauert. Also auf zum Dauerbrenner M57! Er war diesmal noch undeutlicher als sonst, aber deutlich genug um ihn indirekt als "Rauch-Ring" zu erkennen. Das gelang meinem Nachbarn allerdings nicht. Ich stellte den Ringnebel mehrfach schön ins Gesichtsfeld und empfahl das indirekte Sehen, was er bei Andromeda ja auch geschafft hatte. Es hatte leider keinen Zweck, das 57. Objekt des Messierkataloges konnte er nicht sehen. Zu schade!

Jetzt, da wir schon mal in der Nähe waren, prüfte ich an Vega noch mal die Beugungsringe. Übrigens begann jetzt auch die Problematik der zutauenden Okulare. Der Innenjackentaschentrick bzw. das Halten in den Händen konnte aber das Gröbste abwenden.

Ich hatte Lust auf Doppelsterne und suchte Epsylon Lyrae. Zunächst "verfuhr" ich mich im Himmel (der Sucher verwirrt doch, da das Bild Kopf steht, im Gegensatz zum Teleskop, sofern das Zenitprisma verwendet wird) aber fand den doppelten Doppelstern dann. Nun, Konzentration! Der rechts unten konnte blickweise getrennt werden. Oder war das nur eine optische Täuschung? Nach einiger Zeit war ich da aber recht sicher. Darauf hin gelang es auch, die Komponenten des Sterns links oben zu trennen. Mein Begleiter guckte dann auch, und meinte, tatsächlich Doppelsterne zu sehen. Ich ließ mir die Ausrichtung der Komponenten beschreiben (mit Händen zeigen) und tatsächlich sah er das, was ich auch sah. Jetzt erst glaubte ich auch selbst an eine gelungene Trennung. Ungefähr so sah es aus:

Bild

Die Sterne standen allerdings deutlich enger zusammen als auf diesem Bild gemalt.

Da der Mond nun aufgegangen war, und nicht mehr rötlich oder orange schien, sondern nur noch gelblich, riskierte ich trotz der Wolkenschwaden einen Blick. Tja und was soll ich sagen? Natürlich war es sehr beeindruckend, obwohl die Luft doch ziemlich kochte. (Die Verwirbelungen waren diesmal vor allem in horizontaler Richtung.) Ich bekam richtig Lust auf den Mond! Also lief ich noch mal kurz nach oben, um den Mondatlas von A. Rükl und was zu schreiben zu holen. Heute wollte ich mal Krater identifizieren...

... leider wurde das nichts. Wieder unten, war der Mond zwar besser (also die Luft ruhiger) aber erst mal dauerte es Minuten ehe ich realisierte, dass die Übersichts-Karte im Rükl um 180° zu drehen ist... Dann kam noch jemand runter zu uns. Da der Mond tief genug stand, konnte ich auf das Zenitprisma verzichten und zudem gönnte ich mir erst mal den Mond bei 37x im Überblick, um Orientierung zu gewinnen. Doch inzwischen wurde es auch mir etwas kühl, trotz der zwei Hosen und drei Pullover (plus Anorak.) Ich wollte auch nicht die Leute in der Kälte stehen lassen, während ich in aller Ruhe beobachte...

(Mit dem Freeware-Programm "Virtual Moon" war es dann leichter, nachzusehen: Von "Endymion" war der äußere Ringwall sehr beeindruckend. Vormerken! Ebenso faszinierten die Krater "Atlas" und "Herkules" durch ihr markantes Erscheinen. Zudem stellte ich fest, Mare Fecundiatatis für Mare Crisium gehalten zu haben...) Der Blick auf den Mond war nicht zuletzt deshalb sehr schön, weil hier noch klar das Auge limitierte (sprich, vergrößerungsmäßig noch Spielraum nach oben ist.) Mit 131x ist ein 4" ED-Refraktor am Mond alles andere als ausgereizt...

Schon das Bild im 6x30-Sucher finde ich toll, das 10x40 Fernglas würde mit Stativ sicher auch was hermachen. (Kein Jux, ich denke mit einem Fernglas vergleichbarer Leistung kann intensive Mondbeachtung durchaus lohnen.) Das Fernglas war auch insofern praktisch, da es als "zweites Gerät" genutzt werden kann, und man nicht nur stur warten muss wenn gerade jemand anders durch das Teleskop guckt.

Meinem Nachbarn wurde es zu kalt, er trollte sich, der andere blieb noch. Wäre jetzt Wochenende, würde ich mich noch wärmer anziehen, einen Kaffee schlürfen und versuchen für den Saturn bis zur Dämmerung durchzumachen, aber langsam zog es selbst mich nach oben. Dem jetzigen Astro-Interessierten zeigte ich noch Albireo, gefolgt von Epsylon Lyrae. (Übrigens beschrieb er die Lage der Komponenten ebenfalls genau so, wie ich das wahrgenommen hatte.) Aufgrund des Mondes war M31 jetzt nicht mehr im Fernglas zu sehen, und wegen der Wolken war h+x Perseus aussichtslos. Also wagte ich mich noch mal an den Mars; der trotz etwas gewonnener Höhe nicht sehr viel zeigte. (Waberndes Scheibchen, weiterhin Zerlegung in Spektral-Farben durch die Luft, kaum Details zu sehen.)

Nun hatte ich aber Lust auf eine schöne Tasse warmen Kakao! Also Abbau. Obwohl das zu zweit in einem Gang machbar gewesen wäre, ging ich lieber zwei mal. Zunächst die Kleinteile und die Klappstühle nach oben, dann die schweren Brocken. Das Objektiv zeigte im Licht der Taschenlampe bereits erste Anzeichen von Tau, über kurz oder lang wäre ein Abbruch der Beobachtung deswegen wohl unvermeidlich gewesen.

Fazit: Eine Motorisierung der GP ist mittelfristig wohl unumgänglich. Beobachtungsmäßig hat zwar auch heute nicht alles so geklappt, wie erhofft, dennoch war es bis jetzt die erfolgreichste (und reichhaltigste) Beobachtungsnacht überhaupt. Aber so fies es klingt, werde ich mir wohl auch wieder mal die Mühe machen und alles alleine tragen, um dann auch alleine zu spechteln, nur das Fernrohr, und ich :)

Ein zweites Fazit: Natürlich muss man hochwertige Ausrüstung auch pfleglich behandeln, in einem Studentwohnheim wäre ein einfacher 114/900-Spiegel auf EQ3 als Fernrohr vielleicht angebrachter. Doch der Spaß kommt mit der Freude, die sich bei jeder Bedienung des Fernrohs einstellt. Mal angesehen davon, dass man auch durchgucken kann, ist mir bislang schon das pure Benutzen ein Vergnügen.


Bild

Buhhhaa. Da ist mir ganz schön kalt geworden.


Bild

Das Fernrohr kann jetzt abgebaut werden. Was für eine Nacht!


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BeitragVerfasst: 16 Okt 2003 22:31 
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Ort: Stadtrand von Wismar (M/V)

Datum: 14.10.2003, ca. 22:30 - 0:00 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40 (jedoch nicht verwendet)

Bedingungen: Wenig Wolken, ziemlich voller Mond, wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims.

Besonderheiten: Gewünschte Objekte nicht gefunden, Abbruch wegen dichter Wolkendecke


Objekte:

- Vega
- Mars
- Mond


Vom Balkon aus der Große Wagen, vom Küchenfenster aus der Mond? Also keine Wolken? Juhu! Aber wo ist der Mars? Na ich riskiers trotzdem... Gleich drei Ziele wurden ins Auge gefasst: Sterntest an Polaris, den Uranus sehen (mit einer von CdC gedruckten Aufsuchkarte) und mit dem "Rükl"-Mondatlas Mondkrater identifizieren. Ich ging alleine, was einerseits hieß, das ganze Geraffel selbst tragen zu müssen (zwei Gänge erforderlich) mich aber andererseits von jeder Rücksichtnahme auf Interessen anderer entband.

Aufbau des Teleskops. Wieder mal. Schon das Aufstellen des Statives ist nicht unaufwändig: Beine lösen, Ablageplatte einhängen, die Beine grob auf passende Länge einstellen, und festziehen. Dann ihre Wechselfüße hochschrauben um die Stahlspitzen zum Vorschein zu bringen. Montierung aufsetzen und festschrauben, Polarstern suchen, danach ausrichten. Beine in den Boden rammen. Mit der Taschenlampe auf die eingebaute Wasserwaage gucken, und die Beinhöhen so ändern, dass die Stativplatte genau waagerecht steht. Uff!!

Der Polarstern war nicht im Sucher zu finden. Er steht ja sehr hoch, weshalb ich das Stativ entsprechend ausgezogen hatte, aber ein Geradsichtsucher ist bei zenitnahen Objekten eine Qual. Auch im Okular nur ganz schwache Sterne, und kein Polaris. Also mal lieber Vega nehmen. Die Ergebnisse des Sterntests (vor allem wurden die Beugungsringe geprüft) sind übrigens so ausgefallen, dass das Objektiv offenbar prinzipiell ganz gut ist.


Bild

Nur das Fernrohr, und ich...


Nun, auf zum Mars, und die gedruckte Sternkarte her. Ich mach's kurz, der Uranus blieb mir auch heute verborgen. Es gelang leider nicht, die Sterne zu finden, die laut Karte recht hell sein müssten. Der Ausdruck konnte gedreht oder gespiegelt betrachtet werden, da war nichts zu machen. Beim ganzen Herumrühren (meist mit 37x, manchmal mit 102x) hatte ich den Uranus bestimmt rein zufällig mal kurz drin gehabt, aber nicht als Planet erkannt. Einen Stern testete ich auf Flächigkeit, aber es blieb bei einem Punkt. Das nächste mal werde ich auf der Karte einen Maßstab einzeichnen, um zu wissen, welche Strecke auf der Karte 1° entspricht!! Letztlich ist es ja peinlich, wenn man trotz spezieller Karte, trotz 1,3° Feld im Okular, nicht mal einen Planeten findet, für den jedes Fernglas ausreicht...

Zu allem Unglück bemerkte ich Wolken. Der Mond, der heute noch dran sein sollte, würde bald verdeckt sein, in Marsnähe war es noch nicht ganz so drängend, aber auch nur noch eine Frage der Zeit. Diese nutzte ich, bis die Wolken da waren. Als der Mars mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen war, konnte man ihn aber im Okular noch (schwächer, scheinbar auch kleiner) eine Zeit sehen. Dann war Schicht. :(

Das befriedigte mich nicht. Als visuell orientierter Typ will ich was sehen. Dazu bin ich ja schließlich runter gegangen! Manchmal sehe ich mir abends einen Film (DVD) an, nur, um was zu sehen. (Ich habe auch einige "Astro"-DVDs, über den Kosmos oder über die Erde, aus dem Weltraum gesehen. Außerdem krame ich gerne mal im "Alpha Centauri"-Archiv und lasse mir von Professor Lesch "mit Händen und Füßen" den Kosmos erklären.) Seitdem es 3D-Grafikdemos gibt, ist mir klar, eine Vorliebe für interessante Bilder zu haben. Letztlich resultiert mein Interesse an Fraktalen oder auch an der 3D-Grafik weniger von der mathematischen Seite, eher von den sichtbaren Ergebnissen. Zunächst sah ich erst mal zu den Wolken hoch.

Hinten drohte eine dichte Decke, die vorne aber in Flausen zerpflückt war. Die Wolken wurden sowohl von der Stadt beschienen (orange), als auch vom Mond (eher weiß) was die Sache interessant machte. Da man durch einige Löcher hin und wieder einen hellen Stern sehen konnte, war auch direkt zu sehen, wie die Wolken langziehen. Diese Gebilde aus Wasserdampf sind zwar weit, aber auch sehr groß, so dass sie irgendwie nahestehend wirkten. Nicht schlecht, aber nicht das, was ich wollte.

Da der Mond sich zumindest gegen die "Flausen-Wolken" noch durchsetzen konnte, drehte ich trotzig das Rohr Richtung Mond. Jetzt bemerkte ich auch, warum ich vorhin beim Mars mit den Richtungen durcheinander kam. Wenn das Zenitprisma nicht nach oben, sondern zur Seite zeigt, ist das Bild natürlich seitenrichtig, aber kopfstehend. Mit der Mondübersicht im Rükl kam ich trotzdem nicht klar. Die Karte ist viel zu schwachkonstrastig gedruckt, finde ich. So lange die dichte Decke noch nicht da war, wollte ich die Zeit dann wenigstens noch nutzen, um den Mond (eben ohne Krater zu identifizieren) zu genießen; auch wenn bereits Wolkenschwaden mehr oder weniger stören.

Ein Kraterrand war teilweilweise Lava-überflutet. Ich sah auch zwei gewaltige Grabenbrüche. Und viele kleine Krater, die Aufgrund des Lichteinstrahlungswinkels in Terminator-Nähe viel tiefer aussahen, als sie eigentlich sind. Tychos "Strahlen" waren auch sehr schön (wenigstens diesen Krater kenne ich mit Namen.) Übrigens setzte ich heute nicht das 7-er, sondern das 9-er LV ein. Einerseits bitter, auf fast 30% Vergrößerung zu verzichten, andererseits komme ich mit dem Einblick einfach besser klar. Ist erst das Bino wieder da, habe ich ja Glaswegkorrektoren, um die Vergrößerung zu steigern... Wieder oben, im Zimmer, half Virtual Moon aus: Der teilweise überflutete Krater heißt Fracastorius. Doch ich greife vor.

Es wurde kalt. Richtig kalt. Auch ließ der Himmel keine Chance - kurz hochgehen, aufwärmen, und mit frischen Kräften runter? Angesichts der Wolken sinnlos. Also Abbau :( Übrigens war die Wolkendecke, wie ich beim zweiten Gang bemerkte, doch löchriger als erst angenommen, aber viel zu dicht, als noch beobachten zu können, selbst an den gerade wieder frei gewordene Mars schlichen sich neue Wolken heran, also führt ich den Abbau fort. Dieser ist alleine doch etwas fummeliger, ein Begleiter kann zwar beim Aufbau kaum was helfen, aber beim Abbau nützlich sein. Es waren zwar nur zwei Hauptgänge notwendig, der erste wurde jedoch in Unterstrecken zerlegt, denn ich mag keinen Streß, außerdem soll das Equipment nicht dem unnötigem Risiko des Herunterfallens oder irgendwo Gegenschlagens ausgesetzt werden. Jegliches äußere Metall war schon feucht (und dann auch noch so kalt - brrr) aber weder Okulare, noch das Objektiv waren zugetaut. Bei den Okularen war allerdings der Jackeninnentaschentrick notwendig.

Oben dann trocknete die Feuchtigkeit der Hände, die sich nun leicht staubig anfühlten. Dem Drang, mir erst mal schön die Hände zu waschen, kam ich dann sogar durch eine Dusche nach, vorher wurde aber noch ein Fertiggericht in den Ofen gestellt, um dann auch gleich was warmes im Bauch zu haben...

Wie schon beim letzten male, führte ich mir oben, in der Ruhe, noch mal den Rükl zu Gemüte. Viel lieber würde ich das natürlich "in echt" sehen, aber verbunden mit den Eindrücken aus dem Okular ist das richtig was zum träumen... Ich meine, wer wollte als Kind nicht zum Mond fliegen, und dort Städte bauen? Jetzt, wenn man nachguckt, wie es dort denn nun wirklich aussieht, regt das erneut die Fantasie an.


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BeitragVerfasst: 17 Okt 2003 22:55 
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Hallo aths,

auch wenn du nicht wirklich viele Reaktionen auf deine Berichte erhälst, micht interessieren sie wirklich! :D

Das große Problem für mich war eigentlich auch immer die Kälte! Man kann nun mal wirklich gut nur im Winter beobachten und da hat man entweder Probleme mit der Technik oder/und mit sich selbst.

Aber einmal einen Mondkrater wirklich gesehen haben oder eben Saturn mit seinen Ringen oder auch "nur" die Jupiter Monde, dass entschädigt für die Stunden in der Kälte.
Wie schon gesagt, bei mir ist das alles viele Jahre her. :wink:

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BeitragVerfasst: 19 Okt 2003 09:16 
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Loewe hat geschrieben:
Hallo aths,

auch wenn du nicht wirklich viele Reaktionen auf deine Berichte erhälst, micht interessieren sie wirklich! :D

Das große Problem für mich war eigentlich auch immer die Kälte! Man kann nun mal wirklich gut nur im Winter beobachten und da hat man entweder Probleme mit der Technik oder/und mit sich selbst.

Aber einmal einen Mondkrater wirklich gesehen haben oder eben Saturn mit seinen Ringen oder auch "nur" die Jupiter Monde, dass entschädigt für die Stunden in der Kälte.
Wie schon gesagt, bei mir ist das alles viele Jahre her. :wink:

Hi Loewe, gestern kaufte ich superwichtiges Astro-Zubehör:

- Eine Mütze mit Ohrklappen
- Ein Paar Handschuhe
- Neue Batterien für die Taschenlampe.

Die Kälte draußen, nachts, bei freiem Himmel, ist natürlich ein nicht gerades kleines Problem. Andererseits trennt sich hier auch die Spreu vom Weizen, will sagen, "nur die Harten komm' in' Garten".


Hier mal ein neuer Beoabachtungs-Bericht :)



Ort: Stadtrand von Wismar (M/V)

Datum: 15.10.2003, ca. 22:40 - 0:50 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25", Vixen 45° Amici-Prisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Praktisch wolkenfrei, 3/4 Mond (abnehmend), wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims.

Besonderheiten: Cassini-Teilung erstmalig gesehen, etliche Mondkrater identifiziert, eine sehr erlebnisreiche Nacht gehabt.


Objekte:

- Mars (nur als Such-Hilfe)
- Uranus
- Vega (Hauptstern der Leier)
- Epsylon Lyrae (Doppel-Doppelstern in der Leier)
- Mond, und dort einige Krater identifiziert
- Saturn
- Vier helle Sterne (siehe Text)
- M42

Na, sollte ich heute wieder raus? Nach der Schlappe gestern? Am Nachmittag und Abend gabs noch kleine Wölkchen... doch Astro-Infizierte, die noch was auf der Abschlussliste abzuhaken haben, gehen raus. Zumal Uranus gerade kulminiert. Also in zwei Gängen das Gerät runtergetragen.

Dann Aufbau des Teleskops, das ging heute endlich mal halbwegs locker von der Hand. Eine aktuelle, mit CdC gedruckte Uranus-Suchkarte war auch dabei, übrigens hatte ich am PC festgestellt, mich letztes mal mit den scheinbaren Entfernungen verschätzt zu haben. Kein Wunder, dass mit dem 25 mm LV die auffälligen Sterngruppen in Marsnähe nicht zusammenhängend gesehen werden konnten.

Diesmal war ich schlauer: Im Fernglas sofort die hellen Sterne erkannt, die auch auf der Karte verzeichnet waren, und Uranus auf Anhieb gefunden. Mit dem Teleskop dauerte das Suchen etwas länger, da der Sucher völlig dejustiert war. Der wurde dann erst mal am Mars neu ausgerichtet, anschließend damit zum Uranus gefahren, und den weit entfernten Gasriesen mit 37x gesehen.

Ernüchterung. Sieht ja aus wie ein Stern. Soll das wirklich der siebte Planet sein? Bei 131x sah man ein kleines Scheibchen. Nun sehen helle Sterne bei entsprechendem Seeing ebenfalls wie Scheibchen aus. Allerdings war dieses Scheibchen zu dunkel, um Flächigkeit durch eine optische Täuschung zu erzeugen. Ich verglich das mit anderen schwachen Sternen, die in ihrer räumlichen Ausdehnung in der Tat deutlich kleiner waren, trotz vergleichbarer Gesamthelligkeit. Außerdem wurde mehrfach (im Fernglas, im Sucher) geprüft, mich auch ja an den richtigen Sternen orientiert zu haben. Es gab keinen Zweifel. Uranus! Endlich. (Fehlen nur noch Merkur, Neptun und Pluto.)

Mit dem freien Auge ein Blick zum Himmel. Was jetzt? Vega hatte mit seiner Helligkeit eine magische Anziehungskraft, und ich prüfte noch mal (kurz) die Beugungsringe. Dann wurde Epsylon Lyrae angefahren, und die beiden Doppelkomponenten konnten praktisch auf Anhieb getrennt werden. Man braucht eben Beobachtungserfahrung. Bei der schwierigeren Komponente dauerte die sichere Trennung etwas länger, insgesamt reichten aber einige Sekunden. M57 wurde heute mal ausgelassen, der Ringnebel war ja nun oft genug im Okular.

Inzwischen hatte Petrus davon Wind bekommen, dass wieder mal der Arne draußen sitzt und mit seinem Fernrohr im Himmel rumstochert, und schickte mir einige Wolken vorbei. Weil er aber am Vortage schon sein ganzes Pulver verschossen hatte, reichte es heute nur für einige wenige, dünne Schwaden. Beim Aufbau wahrte ich übrigens schicksalsergeben die völlige Ruhe, es kommt ja doch, wie es kommt.

Also dann, auf zum Mond. Der zu drei vierteln beleuchteten Scheibe wollte ich heute erneut mit dem Rükl zuleibe rükln, äh, rücken. Aber ich kam einfach nicht mit dem Rükl klar. Also wurde eben so auf den Mond geguckt. Versuche, das Bild über dem Okular abzufotografieren, brachten noch schlechtere Ergebnisse als bei der kürzlichen Wolkenloch-Hüpferei. So wendete ich mich schnell wieder der visuellen Beobachtung zu. Tolle Krater! Wenn man die nur mal identifizieren könnte...

Übrigens zeigte der Mondrand einen Saum, gelblich. Am Terminator gabs eigentlich keine Säume. Kann die Farbe durch atmosphärische Refraktion zustande kommen? Beim 9 mm LV war der Saum schon deutlich kleiner, und ich greife mal vor, als der Mond später höher stand, war der Saum auch im 7 mm LV sichtbar schwächer. Das Bild waberte jetzt noch, allerdings waren die "Waber-Blasen" recht groß, die Luft wirkte nicht "kochend".

Zwischendurch sah ich durch das Fernglas zu einem nebligen Fleck am Himmel, klar, zu den Plejaden. Im Fernglas einfach irre!! Immer wieder. Übrigens fing jetzt der Sucher langsam an, zuzutauen. Naja, beim Mond braucht's keinen Sucher... Dumm kann man ja sein, man muss sich nur zu helfen wissen! Als wir (im Studium) mal ein Problem in C++ lösen sollten, natürlich ohne Goto-Befehl, schrieb ich eine Endlos-Schleife mit spezieller Abbruch-Bedingung, um Goto zu simulieren. Wenn man also mit der Bild-Ausrichtung nicht zurecht kommt, sollte man ein Amici-Prisma haben...

Dazu müsste ich es nur mal eben holen. Gedacht, getan. (Es war 22:35 Uhr.) Oben noch fix ein paar Schluck warmen Instant-Kaffee getrunken, und auch den Karkoschka noch mitgenommen. Nun aber!

Ich identifizierte "Ritter" und "Sabine". (Oben nachgeschlagen wurde die Entdeckung gemacht, dass die nur ca. 30 km Durchmesser haben. Wow!! So nah kommt man ran...) "Arago" und "Manners" waren durch den Lichtwinkel am Terminator auch ziemlich eindrucksvoll. In der Nähe von "Arago" gibt es übrigens zwei Dome. Das fand ich sehr aufregend, statt nur Einkerbungen auch mal konvexe Gebilde zu sehen. Dank Terminator-Nähe konnte man das sehr gut erkennen, mit sanften Schattierungen. Die im Rükl eingezeichneten Rillen-Systeme waren allerdings nicht so deutlich, wie erhofft.

Das Amici-Prisma verschlechterte zwar ein wenig das Bild, aber damit musste man jetzt halt leben. Der Mond wurde weiter abgefahren, vor allem in der Gegend um "Bessel". "Sulpicus Gallus" identifiziert, ebenso "Bobiller". Eindeutig "Hornsby" als kleinen Krater gesehen. Laut Rükl nur 3 km Durchmesser. Wie ist das möglich? Zudem dort, wo der Rükl nur drei kleine Mini-Krater zeigt, in der Nähe einen vierten gesehen. ("Bessel F" und "G", sowie zwei weitere Krater darüber.) Ok, die vier Dinger waren nicht mehr als "Krater" zu sehen, eher als "irgendwas ist da" (helle Flecken, um genauer zu sein.)

Es machte Spaß, mit dem Justier-Knopf und der Justier-Welle nachzuführen bzw. den Mond "abzufahren". Was die Ausschwingzeiten betrifft, gar kein Vergleich zum "Revue" 60/700. Das sind Welten. Jedes Drehen am Rad war ein Genuss. (Diese Dinger sind ja auch aus Kunststoff, in der Nacht zwischen Prisma und Verlängerungshülse zu wechseln, ist kein Genuss: Kaltes Metall, was später zunehmend feucht wird.)

Im Plato konnten keine Krater ausgemacht werden. Ist man da auf spezielle Lichtverhältnisse angewiesen? Insgesamt konzentrierte ich mich auf zwei östliche Meere in Nordpolnähe, das Festland ist mir als Beginner zu kraterüberseht und damit zu unübersichtlich. Natürlich war Tycho mit seinen Strahlen wieder beeindruckend. Diesen Krater bewunderte ich ja bereits als kleiner Steppke im 8x30-Fernglas meines Vaters.

Der Abend sollte gekrönt werden durch ein neues Objekt. In den Karkoschka geguckt. Welcher Ausschnitt steht günstig? Seite N24? Hm, wenig Interessantes. N22? Ah ja, der Nordamerika-Nebel. Was, unter guten Bedingungen schon mit bloßem Auge sichtbar? Dann wohl unter schlechten Bedingungen auch im Teleskop. Also Deneb angefahren und von dort ausgehend gesucht. Der Sucher war jetzt praktisch zugetaut, aber im Okular war der Hauptstern des Schwans eindeutig zu sehen. Mit dem Fernglas den Nebel gesucht. Vielleicht bildete ich es mir nur ein, aber ich denke, "irgendwas" war da, ganz schwach. Leider nicht im Okular. Habe es mehrfach probiert, nichts zu machen. Naja. Übrigens taute jetzt auch das Fernglas zu. Verdammt. In der Nacht achtete ich eigentlich darauf, möglichst in eine Richtung zu atmen, dass in Richtung Ausrüstung keine zusätzliche Feuchtigkeit gelangt.

Oho, Orion geht auf! Sogar die Gürtelsterne sind schon sichtbar. Ob man noch für M42 bleiben sollte? Aber was zum Geier ist eigentlich dieser helle Punkt da drüben? Saturn?? Jetzt schon so hoch? Nachgeguckt, bereits bei 37x den Ring gesehen. Saturn.

Saturn! Mit 102x die Bauchbinde gesehen, diesmal unzweifelhaft. Mit 131x dann auch die Cassini-Teilung entdeckt. So sah ich den Saturn noch nie: Als plastische Kugel, mit geteiltem Ring. Na die Teilung war nicht umlaufend, und das Bild waberte auch, aber insgesamt war es bei 131x einigermaßen scharf. Gut, auch atmosphärische Refraktion störte, aber selbst damit konnte man leben. Da ich grob eingenordet hatte, reichte im Prinzip eine einachsige Nachführung. Wieder und wieder ließ ich den Ringplaneten durchs Gesichtsfeld laufen (Deklination musste kaum korrigiert werden.) Ich war völlig entrückt. Mir war jetzt klar, warum Astronomie das schönste Hobby von allen ist.

Der Planet als Kugel, nicht nur als blaßgelbliches Scheibchen, der Ring mit Reilung, ein äquatoriales Wolkenband... wie damals beim Orionnebel fingen die Augen vor Rührung an, zu tränen. So kann man natürlich schlecht beobachten, also zwinkerte ich mehrmals mit den Augen und riss mich zusammen — aber nur solange, bis der sechste Planet wieder so schön zu sehen war. Minutenlang führte ich nach, und gewöhnte mich dann natürlich mit der Zeit an die Faszination. Man könnte jetzt vielleicht hämen, dass mir offenbar schon die einfachen Dinge im Astro-Leben reichen, aber ich beobachte ja für mich, und mir gefällt's. Übrigens waren in Saturnnähe zwei ganz kleine weiße Pünktchen, offensichtlich Monde. Später nachgeguckt, auf jeden Fall Titan, und vermutlich noch Rhea.

Es war kalt. Doch M42 wollte ich nicht entkommen lassen. Gegen 0:25 wurde eine neue Pause eingelegt, oben fix ein paar Schlucke vom (inzwischen fast abgekühlten) Kaffee getrunken, und gleich wieder runter. Übrigens war im 5. Stock 'ne Flurparty. Zum Glück kamen die mehr oder minder trunkenen Gäste auf dem Rückweg nicht am Fernrohr vorbei, das ja auf einem Hügel steht, welcher aber durch eine Hecke ganz gut abgeschirmt ist.

Wieder unten, noch ein kurzer Blick auf den Saturn, dann eine kleine Stern-Party gefeiert: Castor (weißlich, vielleicht leicht bläulich?) und Pollux (eher orange, auf jeden Fall rötlich) je zwei mal angefahren, dann zu Aldebaran geschwenkt (ebenfalls rötlich, und sehr hell) und noch Beteigeuze eingestellt (wiederum rötlich. Ein beeindruckender Stern, übrigens.) Wieder eine Freude, das Gerät zu bedienen. Wahrscheinlich nervt das ewige darauf Herumreiten, aber man versetze sich in meine Lage: Jahrelang dieser Traum von einem guten Teleskop. All die Zeit war es nur Vorstellung, Fantasie, "Was wäre, wenn..." Nun ist so ein Gerät vorhanden, auch mit der Bedienung geht es inzwischen klar. Mit der GP zu arbeiten, stellt für mich quasieine sinnliche Erfahrung dar.

Nun endlich zu M42. Der Mond überstrahlte aber fast den ganzen Nebel, im Prinzip erkannte ich M42 vor allem durch das Trapezium und die drei Sterne im anderen "Flügel" (vom Nebel war nur das Zentralgebiet überhaupt sichtbar, auch indirekt war's kaum besser.) Bei 131x sah ich fast nichts. (Tau?) Weil der Sucher inzwischen sowieso fast nichts mehr zeigte, musste der Orionnebel ohne Sucher gefunden werden. Mit dem Fernglas sah ich noch mal Richtung Mars, aber auch das Binokular war inzwischen völlig beschlagen. Das Objektiv vom Teleskop aber noch nicht. So führte ich mir noch mal den Mond zugute, diesmal mit Zenitprisma. Das, und wohl auch die gewonnene Höhe, sorgten ein tolles Bild. Allerdings konnte ich somit wieder mal nichts im Rükl finden... Eigentlich sollte heute doch der Krater "Theophilus" betrachtet werden, das wurde nun nichts mehr. Mir war kalt, und der Hunger bohrte. Also Abbau. Um Stress zu vermeiden, wurde der Transport diesmal in drei Gänge aufgeteilt. Beim letzten Gang sah ich noch mal mit freiem Auge zum Siebengestirn. Einfach toll!


Fazit: Heute gelang das Ausrichten des Rohres ohne Probleme, wann man es dreht und wann man es schwenkt wurde intuitiv und fast immer richtig entschieden. Auf jeden Fall ist noch ein zweiter Justierknopf notwendig, um dann für das Gucken von der anderen Seite nicht erst den Knopf umstecken zu müssen. Ach ja, welchen Einfluss die atmosphärische Refraktion auf das Bild hat, wird meiner Meinung viel zu wenig besprochen. Der Einsteiger bekommt Begriffe wie Strehl, Überkorrektur und Astigmatismus um die Ohren gehauen, er wird gewarnt vor dem sekundären Farbfehler, der Koma und Dejustage. Dass bis mindestens 45° Höhe die durch atmosphärische Refraktion etliche Details in Farbsäumen ersaufen, Apo hin oder her, erfährt man leider nicht.

Man möge mir den Enthusiasmus dieses Berichtes nachsehen, so viel zu sehen, direkt nach der Wolken-Nacht, haut einen Noch-immer-Einsteiger eben um.


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BeitragVerfasst: 12 Dez 2003 08:28 
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Ort: Stadtrand von Wismar (M/V), ca. 54° NB, 11,5° ÖL.

Datum: 18.10.2003, ca. 6:00 - 7:00 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25", Vixen 45° Amici-Prisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Wolkenstreifen nur am Horizont, praktisch Halbmond (abnehmend), wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims.

Besonderheiten: Wenige Objekte, aber jedes einzelne so gut wie noch nie


Objekte:

- Jupiter
- Saturn
- Mond


Sollte ich wirklich raus gehen, heute? Die letzte Beobachtung bot schon eine Menge, was soll man da jetzt noch groß erwarten? Für den Hantelnebel wird ja auf eine mondlose Nacht gewartet, und die Abschussliste ist ansonsten leer. Der Mond, hm, so hoch wie der steht könnte der lohnen. Also warm angezogen, die Gerätschaft rausgetragen und aufgebaut.

Zunächst hielt ich das Rohr auf den Saturn — und sah Jupiter. Wieder so mit der Position verschätzt! Ärgerlich: Der Jupiter war so hell, dass das Bild im Streulicht ersoff. Ein bisschen konnte man den Eindruck gewinnen, das Objektiv sei zugetaut. Das war jetzt natürlich noch lange nicht möglich. Ein Blick mit der Taschenlampe auf das Objektiv zeigte kleine Rückstände von Tautropfen, die nicht weiter stören dürften. Übrigens war das Stativ doch etwas zu weit ausgezogen, die Beobachtung damit nicht gerade bequem. Zwischendurch ein Blick mit dem Fernglas zu den Plejaden. Ich war froh, noch kein abgebrühter alter Hase zu sein, so dass eng helle Sterne auf engem Raum noch Eindruck schinden...

Dann, mit dem Teleskop, weiter zum Saturn, der inzwischen in Mondnähe entdeckt wurde. (Jener Planet der mich vor einiger Zeit in der Morgendämmerung anlachte war also Jupiter, nicht Saturn.) Das Stativ, das für den Jupiter noch leicht zu hoch engestellt war, zog ich wegen Zenitnähe des Saturns noch etwas weiter aus: Mehrfach rumgehen, und die Beine nach und nach verlängern, und hin und wieder das Stativ anheben um es zu "entspannen", da die Stativ-Füße mit Metallspitzen im Boden stecken.

Den Ringplaneten bekam ich rein, ohne das LV 25 bemühen zu müssen. Genaue Sucher-Justage zahlt sich eben aus...

Der Saturn wanderte wieder und wieder durchs Gesichtsfeld. Da die "π*Daumen" Einnordnung heute wohl nicht so gut war, musste die Deklination öfter korrigiert werden als in der letzte Nacht. Auch hier wieder das komische Problem mit dem zerstreuten Licht. Komischerweise ließ sich das durch Nachfokussieren beheben??? - leider hielt das Bild nur sehr kurze Zeit... langsam wurde mir klar, dass die Stellschraube beim OAZ durchaus einen Sinn hat. Etwas fester angezogen, führ der Auszug nicht mehr von alleine raus. Das Bild war jetzt dauerhaft scharf zu kriegen, das "Streulicht" im Fokus praktisch verschwunden.

Der Planet jedenfalls präsentierte sich heute ohne störende Seeing-Einflusse. Kugel und Ring waren buchstäblich wie ausgestanzt. Die Cassini-Teilung beinahe umlaufend. Die "Bauchbinde" (ein äquatoriales Wolkenband) klar und deutlich. Wo sich der Ring hinter dem Planeten versteckt, gab es bis in die letzten Spitzen eine sagenhafte Schärfe. Trotz des 7-mm-LVs. Dass Seeing (Luftunruhe) und atmosphärische Refraktion so viel ausmachen, hatte ich nicht gedacht...

Wenn ich alleine bin, führe ich praktisch nie Selbstgespräche. Doch hier auf dem Felde kanalisierten sich die Eindrücke mehrfach in ein geflüstertes "unglaublich". Den Saturn so sehen zu können, hätte ich tatsächlich nicht geglaubt. Alleine für diesen Anblick hatte sich der Aufbau schon geloht.

Dann mal auf zum Mond. Das Zenitprisma war noch drin und beim ersten Blick ins Okular gab es den Terminator in Äquatornähe zu sehen. "Ohhhh" hörte ich mich sagen. Der Mond war dermaßen klar, und zeigte solche Details, das hatte ich noch nicht gesehen, auch nicht erwartet... Um mit dem Mondatlas "Rükl" klarzukommen, wurde das Amici-Prisma eingesetzt. Die Einblicksposition war damit allerdings unzumutbar niedrig. Es half nichts, das Stativ musste höher ausgezogen werden. Ächzend korrigierte ich die Stativ-Höhe erneut, diesmal aber "richtig": Ablageplatte freiräumen und aushängen, dann die Beine deutlich verlängern, festziehen, Platte wieder einhängen.

Das Amici-Prisma wurde dann aber nur anfänglich, zur Orientierung genutzt, denn die Bildqualität sinkt damit eben doch merklich; später kam das Zenitprisma zum Einsatz. Einmal einen Krater erkannt, ist das erst mal eine Lösung.

... Jedenfalls, das kann man ja schon mal vorweg nehmen, im Plato selbst konnte kein einziger Krater erkannt werden. Doch der Reihenfolge nach: In der Nähe von Plato, eigentlich schon auf der Schattenseite, wurden noch Spitzen eines Gebirges (die "Alpen") beschienen. Das erinnerte an Satelliten-Bilder von der Erde, die Städte in der Nacht zeigen. Unheimlich beeindruckend, wie sich da auf der Nachtseite beim Mond diese leuchtenen Spitzen zeigen. (Auch die Apenninen waren noch auf der Nachtseite zu sehen.) So ein "Lichtbild" im wahrsten Sinne des Wortes finde ich deutlich schöner als Fotos.

Ich fuhr den Terminator ab. Da war ein beeindruckender Krater in Südpolnähe. "Clavius", sagt Rükl. Deutlich waren im Clavius noch kleinere Krater zu sehen. Allerdings weniger als im Rükl. Das Amici- wurde mit dem Zenitprisma ersetzt.

Irre: Frei stehende Berge, die Schatten werfen welcher viel länger ist als der Berg hoch; ein großer Krater ("Archimedes"), dessen Ringwall einen stark gezackten Schatten in das Innere wirft. Die Schatten waren nadelspitz, das Bild war über das ganze Gesichtsfeld punktscharf. "Aristillus" mit Bergen in der Mitte. (In der Kratermitte ein kleines Gebirge zu sehen, ist in Terminator-Nähe gar keine Seltenheit.)

Im Mare Nubium schaute ich mich noch genauer um. Und in Nordpolnähe. Der Rükl verzeichnete allerdings noch weitere kleinere Kraterchen, deshalb betrachtete ich das Bild im Okular mal genauer. Jetzt erst war der Blick geschärft: Plötzlich sah ich insgesamt viel mehr. Die Oberfläche wirkte poröser, vorher nie erahnte Kraterchen wurden sichtbar. Ich wünschte, ein Mikroskop, wenigstens eine Lupe für das Bild zu haben. Mit 131x wird das Objektiv jedenfalls unterfordert. Da ist noch Luft.

Zurück zum Clavius. Nun, jetzt war da sogar mehr zu sehen, als im Rükl eingezeichnet ist. (Trotzdem blieb Plato seine Krater schuldig. Schon komisch.) Zurück zum Meer der Wolken. Was ist denn das da für ein seltsam Ding? Eine Art Rille. Endet in der Nähe eines Kraters. Vor allem in Richtung Terminator weitere kleine Krater, und ein kleines (und flaches) Gebirge. Mal in den Rükl gucken... "Rupes Recta". Dann habe ich auch "Rima Birt" gesehen. Und noch viel mehr, wie gesagt, bei den vielen Eindrücken kann man sich nicht alles merken.

Kalt wurde es dann doch, andererseits dämmerte es bereits. Zum Abschluss, quasi im Abbau noch mal Jupiter: Die Ablage-Platte ausgehängt und die Stativbeine eingezogen, ansonsten wäre die Einblicksposition zu anstrengend gewesen. Der Gasriese wirkte trotzt nur 131x recht groß. Zwei Bänder, links ein Mond, rechts drei Monde. Unter dem südlichen Wolkenband war ein dünnes, helleres Band, ehe der dunklere Polbereich anfing. Im Norden schien der Übergang ins Dunklere sanfter. So viel sah ich beim Jupiter noch nie, damit war die Nacht praktisch gekrönt. (Beim Jupiter, in der beginnenden Dämmerung, waren allerdings schon erste Seeing-Effekte zu sehen, leider litt das Bild auch etwas unter atmosophärischer Refraktion.)

Beim Abbau dann wurde klar, wieso es so kalt war: Der Rasen war reifüberzogen, und ich sitzt hier ohne Handschuhe... na ein Glück dass das Stativ aus Holz ist. Bei den Gängen zum Hochtragen war ich noch ganz im Eindruck der (eigentlich recht kurzen) Beobachtungsnacht und einfach glücklich.


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BeitragVerfasst: 17 Dez 2003 23:16 
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Datum: 26.10.2003, ca. 21:25 - 21:50 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25", Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Keine Wolken, bodennah wohl etwas Dunst.

Besonderheiten: Nur ein Objekt gesehen.

Immerhin. Ein Objekt ist besser, als kein Objekt. Vor zwei Tagen zog während des Aufbaus der Himmel zu, heute war jedoch freie Sicht. Da ich den Karkoschka nicht auf Anhieb fand, ging ich halt ohne raus — ein folgenschwerer Fehler...

Runtertragen in zwei Gängen, Aufbau. Heute war übrigens erstmalig der neu bestellte Drehknopf im Einsatz, jetzt habe ich zwei und muss nicht immer umstecken. Ebenso feierten Handschuhe und Mütze Premiere. Mit dem Fernglas M27 gesucht. Da war aber nichts zu sehen. Die Plejaden, auf der anderen Seite des Himmels, kamen natürlich gut, heute war aber der Hantelnebel dran. Muss ich wohl mit dem Hauptrohr suchen... Ausgehend von Albireo immer wieder im Himmel rumgerührt. Minutenlang. Immer wieder. Nichts. Mal kurz versucht, ob man den Nordamerika-Nebel reinkriegt, aber der stand recht zenitnah, und ich wollte jetzt nicht extra das Stativ verstellen.

Kontrolle mit dem Fernrohr. Da ist nix zu sehen. Schon komisch. Weiter im Hauptrohr bei 37x gesucht. Im Sucher versucht, die Position abzuschätzen, die ich mir vorher mit CdC gemerkt hatte. Immer wieder rumgerührt, und innerlich geflucht: Das Licht vom Wohnheim nervte und musste mit einem Deckel abgeblendet werden, und ich hätte gerne eine Motor-Steuerung gehabt, um nicht immer wieder den Arm ausstrecken zu müssen.

Zwischendurch mal Albireo betrachtet, aber trotz der Faszination, das war ja nicht was, was ich sehen wollte. Kann es eigentlich sein, dass es beim Schwan mehr Sterne gibt, als anderswo? Heute kam mir das jedenfalls so vor. Teilweise erkannte ich bereits Sterngebiete wieder, weil ich die schon mal abgefahren hatte... Wieder mal peilte ich neu mit dem Sucher und fuhr die Gegend ab. Da! Ein Nebelfleck... endlich hatte ich den Hantelnebel gefunden.

Ein verwaschener Fleck. Mit indirektem Sehen wurde eine Rechteckform sichtbar. Von einer Hantel konnte kaum die Rede sein, eine Einschnürung war nur mit viel Mühe zu sehen, bzw. existierte vielleicht auch nur in der Einbildung. Meinen neuen Focal Reducer probierte ich übrigens heute nicht aus. Ich wollte ohnehin lieber vergrößern. Bei 102x aber kaum Besserung: Ein Fleck, sehr diffus, mit indirektem Sehen grobe Rechteck-Form.

Was nun? Überhaupt noch was? Schon jetzt wurde mir kalt. Am Himmel entdeckte ich nun doch M31. Der Andromeda-Nebel war mit bloßem Auge schwach zu sehen. Durch die Zenitnähe wurde das Anpeilen mit dem Sucher aber so erschwert, dass mir da die Lust verging. Das Stativ hätte ausgefahren werden müssen, aber ich war ohnehin nicht in Stimmung, und baute stattdessen ab. Zum Hochtragen dann drei Gänge, mit etwas mehr Geschick hätten zwei gereicht.

Eigentlich eine "vernünftige" Nacht für Deep Sky: So manch interessantes Objekt am Himmel, und kein Mond. Doch ohne Karkoschka ist das Gesuche mangels Erfahrungswissen noch dermaßen ineffizient, dass man es dann auch gleich bleiben lassen kann. Immerhin, der Hantelnebel konnte sich vor mir nicht verstecken. Der 4"-Refraktor ist ja kein Deep-Sky-Gerät, doch drängt es mich, ihn endlich auch mal unter richtig dunklem Himmel einsetzen zu können.


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BeitragVerfasst: 01 Jan 2004 02:07 
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Ort: Stadtrand von Wismar (M/V), ca. 54° NB, 11,5° ÖL.

Datum: 6.12.2003, ca. 2:10 - 2:45 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor: 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm (jeweils 2x) und Kasai 6 mm orthoskopisch. Baader 60° Binokular-Ansatz. Glaswegkorrektoren 1,25x, und 1,7x.

Bedingungen: Beobachtung vom Balkon aus, wenig Wolken, sehr störendes lokales Seeing.

Besonderheiten: Erstmals das Bino am Mond eingesetzt.


Bild
Am Tage aufgenommen: Der Binokular-Ansatz, bestückt mit zwei LV-Okularen.

Bild
Da guckt man dann rein.


Ok, es war nicht das "First Light" mit dem Bino und dem Mond, aber es war die erste ernsthafte Beobachtung. Als ich kurz draußen war, den Müll rauszubringen, war zu sehen, dass es praktisch keine Wolken gibt (nach Wochen durchgehender Bewölkung!) — und der Mond machte Hoffnungen, auch vom Balkon aus sichtbar zu sein. Hm, das Ganze vom Balkon aus betracht, da war das mit dem Sichtwinkel etwas knapp, aber der alte Bekannte würde ja auf seiner nächtlichten Reise in eine Richtung wandern, welche die Sichtbedingungen für mich günstiger gestalten würden. Also baute ich, langsam, auf dem Balkon auf. Es war kurz nach zwei, als das Teleskop fertig aufgebaut war. Zunächst probierte ich das 6 mm-Ortho (ergibt 153x bei mir), und fluchte, weil das Stativ doch noch etwas weiter ausgezogen werden musste. Denn ich wollte ohne Zenitprisma beobachten, aber ohne mich hinknien zu müssen. Dann jedoch die Enttäuschung, denn das Bild war kaum scharf zu kriegen. Ständig verschwamm es. Dabei war der Okularauszug schwergängig genug eingestellt, der dürfte nach der Fokussierung eigentlich nicht aufgrund des Gewichtes noch weiter nach unten wandern. Schon gar nicht, wenn nur Verlängerungshülse, Reduzierhülse und das kleine Ortho dranhängen. Komisch. Nur für sehr kurze Augenblicke ein scharfes Bild.

Nun denn, das Ortho raus und das Bino ran. Mit 1,25x Glasweg-Korrektor (GK) und dem Okular-Paar 25 mm ergibt das eine Vergrößerung von 46x. Der GK wird vor das Bino in den Strahlengang geschraubt. Mit dem Suchen des Mondes hatte ich etwas Probleme (der Sucher war für diese Sitzung nicht montiert, weshalb ich mit dem Auge über das Rohr peilte, um unseren Trabanten zu finden.) Im Bino gibt es, wenn der Mond eigentlich noch nicht sichtbar ist, aber in einem bestimmten Winkel zum Gesichtsfeld steht, einen Reflex der einen schwachen Halbmond ins Okular zaubert. Ohne Okular war die Sonne der Nacht dann sehr leicht zu finden — etwas rumrühren, bis es in den Okular-Stutzen sehr hell wird. Die Okulare wieder rein, und scharfstellen, und etwas üben, im richtigen Winkel und mit "geradem Blick" ins Bino reinzusehen — und dann war erst mal Staunen angesagt: Der Trabant, voll im Gesichtsfeld, noch mit reichlich Schwarz drumherum. Es war beinahe Vollmond, dementsprechend hell strahlte der Gevatter in mein Gesicht.

Die Faszination ist kaum zu beschreiben. Das ist... also... unglaublich! Diese Details... klar beobachtet man im Fernrohr den Mond meist bei deutlich höheren Vergrößerungen, doch eben nur mit einem Auge. Im Fernglas wiederum hat man vielleicht 10 oder 12 Vergrößerungen. Das reicht natürlich schon für Krater (sofern das Glas auf einem Stativ steht.) Bei 46x hingegen... hrr hrr, da taucht man richtig rein. Ich war dermaßen beeindruckt von der weißen Schönheit im schwarzen All, dass ich halblaut "ohhh" staunte.

Nun die 9-mm-Okulare. Ergibt bei mir 128x. Bevor das Bino beim Hersteller neu kollimiert wurde, gab es mit den 9-mm-Okularen Probleme, die beiden Bilder zur Deckung zu bringen. Jetzt würde sich herausstellen, ob es wirklich am Bino oder nicht vielleicht doch an den Okularen gelegen hat. Reingeguckt, mit der Bildüberlagerung zum Glück keinerlei Probleme gehabt, und ...ja, also, das war IRRE!!! Krater, Gebirge, Wälle, Rillen... Allerdings nervte jetzt auch das Seeing, die Sichtbedingungen waren diplomatisch gesagt suboptimal: Alle paar Sekunden verschwamm das Bild völlig. Man konnte nur zeitweise ein scharfes Bild bewundern. Das erklärt wohl auch, wieso das Bild mit dem 6-mm-Ortho nicht scharf zu stellen war.

Bild
So sieht es dann in der Nacht aus.

Ein Foto vom Mond gibt nicht ansatzweise den beidäugigen Anblick im Fernrohr wieder, finde ich. Foto-Tauglichkeit war zwar im Teleskop-System eingeplant, doch die nächsten Jahre wird es wohl nur visuell genutzt. Das Bino ist da eine echte Bereicherung.

Übrigens ergab ein schneller Test, dass die LV-Okulare mit 25 mm Brennweite bei meinem System recht anfällig für Farbsäume sind, sobald man sich von der optischen Achse entfernt. Das lässt sich teilweise durch den Blickwinkel ins Okular wegkriegen. Mit den 9 mm Okularen war die Problematik schwächer. Ob die restlichen Säume von der Luft kamen, weiß ich nicht. Der Mond stand zwar einigermaßen hoch, aber längst nicht im Zenit, da könnte die atmosphärische Refraktion durchaus schon störend gewesen sein. Letztlich müsste mal unter wirklich guten Bedingungen getestet werden, sowohl die Okulare am Mond, als auch das Bino am Planeten, zum Beispiel am Saturn, ob da die Bildüberlagerung auch so einfach klappt.

Da ich auf die Schnelle den Mondatlas nicht fand, sollte das Programm "Virtual Moon" genutzt werden, um einige Krater zu identifizieren (nebenbei konnte ich mich so im Zimmer etwas aufwärmen.) Allerdings zeigt das Programm den Mond "richtig" orientiert, wie man ihn mit bloßem Auge sieht, während das Bino ein astronomisch orientiertes Bild liefert (Kopf stehend und seitenverkehrt.) Naja, wieder raus auf den Balkon und noch mal auf 46x gegangen, für den Gesamt-Überblick. Beinahe Vollmond, aber dort wo er noch nicht "voll" war, hoch interessante Beleuchtungsverhältnisse. In der Mondfläche war der Krater Tycho mit seinem charakteristischen Strahlenkranz unübersehbar.

Dann die Okulare herausgenommen und das Bino abgeschraubt, aber nur, um den Glaswegkorrektor zu wechseln. Natürlich braucht man für zwei Augen auch zwei Okulare, doch mit zwei GK kann man jedes Okular-Paar für zwei Vergrößerungen nutzen. (Allerdings kostet ein GK auch so viel, wie ein besseres 1 1/4"-Okular. Billig ist der Bino-Spaß leider nicht.) Der nun eingewechselte GK vergrößert 1,7x. Mit den 25-mm-Okularen ergibt das dann 63x. Der Mond wirkte auf den ersten Blick gegenüber 46x gar nicht so viel größer, aber bei genauerem Hinsehen war das Erlebnis doch noch mals beeindruckender. Noch immer war der Mond komplett im Blickfeld, aber es gab doch etwas mehr Details. 63x ist kein Pappenstil, der zu diesem Zeitpunkt reichlich 400.000 km entfernte Mond wurde immerhin auf scheinbar 6300 km herangeholt.

Hin und wieder zogen doch mal Wolken vorbei, aber es waren nur einzelne Wolken (und keine dichte Decke) und sie ließen den Mond frei — einmal glaube ich, zog wohl doch eine Wolke am Mond vorüber, aber da war ich gerade im Zimmer.

Jetzt war es an der Zeit, auf's Ganze zu gehen: Die 9-mm-LV-Okulare, in Kombination mit dem 1,7x GK. Ergibt 174x Vergrößerung. Und dazu wird das strapazierte Lichtbündel auch noch auf beide Augen aufgeteilt. Das Duplett im Objektiv nicht mitgerechnet, muss das Licht durch 9 Linsen, und einige Prismen. Ob der Kontrast noch reichen würde...? Mal sehen...

Einerseits: Das Bild war natürlich dunkler als vorher. Andererseit war man förmlich versucht, die Hand auszustrecken, um den Mond anzufassen. Die Erddrehung macht sich bei 174x deutlich bemerkbar, die Wanderung durch das Gesichtsfeld erfordert häufigeres nachstellen. Bei dieser Vergrößerung kann man natürlich immer nur einen Ausschnitt vom Mond sehen. Ich drehte das Fernrohr etwas "vor" das Objekt, und ließ die Erdrehung für mich kurbeln... Das war wie ein Flug über Mond... man hätte ausrufen mögen: "Houston, die Aussicht ist toll."

Natürlich ist Astronomie das schönste Hobby von allen, aber ich sage mal so: In der Space Night tolle Bilder zu sehen, ist das eine. Den Mond live zu haben, was ganz anderes. Viel beeindruckender. Was man da direkt, "in echt" sieht, wirft zumindest mich dermaßen um, dass mich diese Erlebnisse sicherlich verändern werden. Wenn man merkt, wie groß das da draußen alles ist...

Leider wurde mir trotz warmer Kleidung ziemlich kalt. Eine gute Gelegenheit, hin und wieder ins Zimmer zu gehen, und mit dem Computer versuchen, doch noch einige Krater zu identifizieren. Da wäre Grimaldi, in der Nähe zwei Krater deren Wälle sich berühren, namens Hevelus und Cavalerius. Wunderbar war die Küste vom Meer der Heiterkeit (Mare Humorum.) Aufgrund des Winkels der Sonneneinstrahlung war sehr schön sichtbar, dass das Meer teilweise von einer Art Steilküste gesäumt ist. Das wusste ich noch gar nicht.

"Mond-Meere" sind ja lavaüberflutete Gebiete, wobei die Lava längst erstarrt ist. Der Mond ist völlig abgekühlt und hat keine Atmosphäre. Damit auch keine Wolken, die den Blick auf ihn trüben könnten. Zum Beispiel auf Schickard. Das ist vielleicht ein Kaventsmann von Krater, mein lieber Scholli. In der Nähe liegt "Schiller". Diese Regionen liegen eher am Rand, demzufolge sehen die Krater auch nicht rund aus, sondern lang gestreckt. Schiller ist aber dermaßen länglich, der kann in Natura nicht mal annähernd rund sein. Wie entstehen solche Gebilde?

Schiller sah ich schon mal auf einem Foto, doch wie gesagt ist das Live-Erlebnis ganz anders. Gut, die Luft waberte, und oft störte ein zittrig-verschwommenes Bild, was wohl an Luftverwirbelungen lag. Doch in Momenten der klaren Durchsicht — manchmal nur Sekundenbruchteile, manchmal länger — hatte man ein so detailreiches Bild, das ich kaum für möglich hielt.

Ich suchte Clavius, einen interessanten Riesenkrater, mit vielen kleinen Kratern drinnen und auch am Rand. Offenbar rechnet Virtual Moon die Schattengrenze ("Terminator") etwas ungenau aus, bei mir in den Okularen schien Clavius halb im Schatten, während er lt. Programm voll sichtbar sein sollte. Oder ich habe den Clavius einfach nicht gefunden. Je nach Phase wechselt der Mond sein Angesicht, Krater können unter anderen Lichtverhältnissen völlig anders aussehen. So gut kenne ich mich da noch nicht aus, auf unserem Begleiter, aber ich bin sicher, dass das schon noch wird.

Der Tag-Nacht-Schattenübergang ist kurz vor Vollmond natürlich länger, als beim Halbmond, und ich fuhr diesen Bereich mittels Feinnachführung an der Montierung immer wieder ab (zum Glück sind die Drehknöpfe aus Kunststoff, Metall wäre verdammt kalt), immer auf der Suche nach neuen interessanten Dingen. Dabei wurde natürlich nicht immer nachgeguckt, wie dieser oder jener Krater heißt, sondern einfach die Aussicht genossen. In Erinnerung blieb aber unter anderem der Lohrmann, ein relativ kleiner Krater, und Sirsalis, eine Art Doppelkrater.

Aus Spaß setzte ich in einen Okularstutzen nun das 6-mm-Okular, welches dann 261x beschert. Leider nur einäugig, da ich das Okular nur ein mal habe. Uff. Das Bild war nochmals spürbar dunkler, und wirkte auch flauer. Wenn auch deutlich weniger flau als es mit 175x im alten 60-mm-Fraunhofer. Ich versuchte, mich auf die Momente zu konzentrieren, in denen die Luft ein scharfes Bild durchlässt. Langsam verstand ich, wieso mein Fernrohr mit einer Maximalvergrößerung von 300x beworben wurde — in guten nächten wäre 300x zumindest beim Mond drin. Der Mond hatte bei 261x jetzt eine scheinbare Entfernung von nur noch 1500 Kilometern. In guten Nächten müsste das beidäugig ein Erlebnis sein...

Vom Einblicksverhalten her war das Ortho trotz der kurzen Brennweite gar nicht mal sooo übel. Ich spielte kurz mit dem Gedanken, noch ein zweites zu kaufen, um zu sehen ob damit binokulare Beobachtungen möglich sind. Allerdings wäre die damit erzielte Vergrößerung praktisch nur am Mond zu gebrauchen.

Per Erddrehung ein Gebiet zu "überfliegen" war trotz einäugiger Beobachtng und nur weniger Momente mit scharfen Bilder unglaublich. Und am Tag-Nacht-Übergang des Mondes waren Details... aber theoretisch müsste man die auch mit "nur" 174x sehen. Also wieder die 9 mm Okulare. Das Bild war im Vergleich spürbar heller, und von der Schärfe her — wenn denn die Luft mal kurz still stand — geradezu knackig. Übrigens musste, da der Mond langsam tiefer stieg, auch das Stativ wieder ein wenig einfahren werden. Etwas aufwändig, jeweils drei Beine nacheinander um einige Zentimeter zu korrigieren. Nervig auch die insgesamt nicht so stabile Aufstellung: Draußen kann man an den Stativ-Füßen Stahlspitzen ausfahren und in den Rasen rammen. Das ist auf dem Balkon natürlich nicht möglich. Das folgliche ständige Gezittere beim Fokussieren war wenig angenehm.

Die Kälte würde mich schon bald zum Abbruch treiben, das war klar, dennoch genoss ich jetzt noch mal ausführlich den beidäugigen Blick auf den Mond. Woher gewisse Farbsäume kommen, konnte ich nicht ermitteln. Ansonsten scheint das Bino trotz dem Einsatz von einem Glaswegkorrektor das Bild nicht zu verschlechtern. Die Zeit für Vergleiche, ob man mit 261x nun wirklich mehr Details sieht als mit 174x nahm ich mir nicht mehr. Doch blieb das Gefühl der Befriedigung: Das Binokular ist sein Geld wert. Mit zwei Augen sieht man, wenn vielleicht nicht mehr, so doch bequemer. Viel entspannter, als wenn man sich auf ein einzelnes Auge konzentrieren muss.

Der Komfort durch ein Bino ist schwer zu beschreiben. Mit der Bildüberlagerung hatte ich heute keine Probleme, teilweise konnte man sogar etwas "schief" reingucken. Geschielt werden darf natürlich nicht. Bei den LV25-Okularen bin ich nicht so hundertprozentig glücklich, wegen den komischen Farbsäumen. Die LV9 hingegen machen immer mehr Freude: Ebenfalls diese fantastisch große Augenlinse, ein sehr gutmütiges Einblicksverhalten, und deutlich weniger anfällig für laterale Farbe. Bei nächster Gelegenheit werde ich bei möglichst hoch stehendendem Mond das Fernrohr mal draußen aufbauen, und gucken, ob das Objektiv mit dem 6 mm Ortho ein praktisch Farbsaum-freies Bild liefern kann, oder nicht. So teuer wie die 4"-ED-Optik war, möchte ich natürlich auch die volle Leistung haben.

Das Baader 60°-Bino ist für mich ein klarer Hit. Ich bin froh, es zu haben, und werde es einsetzen wann immer möglich.


Bild
Die Fensterbank musste als Ablage herhalten. Zu sehen sind Okular-Schutzkappen und Behälter, Okulare, und weiteres Zubehör.


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BeitragVerfasst: 21 Feb 2006 03:27 
[quote="aths"]... Deshalb im Forum:
[img]http://www.aths... quote]

Hallo aths,
lange nix gelesen von dir im a.de-Forum. Ist doch aber wohl nicht meine Schuld? Beglückwünsche dich mal zum Erwerb deines Scopes. Hätte ich genauso getan - gute Wahl!! Sehr gute Wahl!!! Mein Gott, wer hat schon ein ED??

Hmm, da du vielleicht ein wenig enttäuscht bist, dass du meinen 90er Vixen nicht gekriegt hast, möcht ich dich ein wenig entschädigen. Ich veräußere mein komplettes Equipment (C8, 90m, Monti, Steuerung +++). Habs gerad eben aber auch schon anderweitig weitergegeben. Was über bleibt, soll an dich gehen, sind noch ein paar Leckereien dabei, hoffe ich!
Du kennst doch noch meine Fotos???

Gib mir bitte nochmal (möglichst schnell) deine E-Mail Adresse.


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BeitragVerfasst: 21 Feb 2006 03:38 
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Registriert: 21 Feb 2006 03:02
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Wohnort: Oldenburg
Anonymous hat geschrieben:
aths hat geschrieben:
... Deshalb im Forum:
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Hallo aths,
lange nix gelesen von dir im a.de-Forum. Ist doch aber wohl nicht meine Schuld? Beglückwünsche dich mal zum Erwerb deines Scopes. Hätte ich genauso getan - gute Wahl!! Sehr gute Wahl!!! Mein Gott, wer hat schon ein ED??

Hmm, da du vielleicht ein wenig enttäuscht bist, dass du meinen 90er Vixen nicht gekriegt hast, möcht ich dich ein wenig entschädigen. Ich veräußere mein komplettes Equipment (C8, 90m, Monti, Steuerung +++). Habs gerad eben aber auch schon anderweitig weitergegeben. Was über bleibt, soll an dich gehen, sind noch ein paar Leckereien dabei, hoffe ich!
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Nochmal aths!
Irgendwie bin ich wohl zu alt für diese Technik der Foren....

Hoffe,es klappt jetzt auch so, mit Einloggen und weniger offenen Browser-Fenstern und so. Kommst du an meine E-Mail?

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CS, Frank


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BeitragVerfasst: 05 Okt 2006 10:22 
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Hallo Frank,

in dieses Forum gucke ich leider nur sporadisch rein. Habe dir via Mail geantwortet.


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